Kurz vor Ostern verhinderte die israelische Polizei den Zugang des Patriarchen von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, zu der bedeutenden Grabeskirche. Diese Entscheidung führte weltweit zu Unruhe. Dank persönlicher Intervention durch Premierminister Benjamin Netanjahu erhielt der hochrangige römisch-katholische Würdenträger schließlich «uneingeschränkten Zugang» zur Kirche.
Warum wurde dem Kardinal der Zutritt verwehrt? Laut israelischer Polizei sind alle heiligen Stätten in der Jerusalemer Altstadt wegen Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt geschlossen. Insbesondere Gebäude ohne standardmäßige Schutzräume sind betroffen. Tatsächlich wurden Raketenfragmente nur wenige Meter von der Grabeskirche entfernt gefunden. Kardinal Pizzaballa kritisierte das Verbot, da er die Polizeivorgaben eingehalten und keine öffentlichen Versammlungen abgehalten habe. Er wollte privat an diesem Sonntag die Messe feiern. Der Zutrittsverweigerung hielt er einen Präzedenzfall entgegen, der seit Jahrhunderten nicht vorgekommen sei.
Warum sehen Christen das Verbot als Beleidigung? Zum einen war der Zeitpunkt kritisch: Am Palmsonntag beginnt die Karwoche, die in den höchsten christlichen Feiertag Ostern mündet. Die Sicherheitslage und Kriegsumstände hatten die Osterfeiern bereits eingeschränkt. Zudem ist die Grabeskirche gemäß biblischer Tradition der Ort von Jesu Kreuzigung und Begräbnis, was sie zu einem zentralen christlichen Heiligtum macht. Das Verbot gegenüber dem Jerusalemer Patriarchen stößt nicht nur bei Katholiken, sondern auch anderen Christen sauer auf.
Was sind die Hintergründe des Verbots? Premierminister Benjamin Netanjahu betonte, es habe keine bösen Absichten gegeben. Doch Berichte über Einschränkungen religiöser Freiheiten für Christen häufen sich; sie berichten von Hindernissen und Anfeindungen durch jüdische Fundamentalisten. Diese Beschränkungen treffen auch Muslime, denen der Zugang zur Al-Aksa-Moschee zum Eid al-Fitr verwehrt wurde. Dies lässt sich als Fortsetzung einer Politik verstehen, die Israel primär als Staat des «jüdischen Volkes» betrachtet.
Warum wurde das Verbot zurückgenommen? Der internationale Druck stieg an. Staatschefs aus Italien, Frankreich und Spanien sowie der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, äußerten Kritik und sprachen von einem «unglücklichen Fehlgriff». Die Regierung Netanjahu sah sich gezwungen, das Verbot zurückzunehmen. Dennoch wurde die Botschaft bereits vermittelt: Der Vorfall hat seine Spuren hinterlassen.
SRF 1, Rendez-vous, 30.3.2026, 12:30 Uhr