Als letzte Vertreterin der Familie Beyer erläutert Muriel Zahn-Beyer die Gründe für den Abschied nach mehr als 260 Jahren ihres Juweliergeschäfts und warum sie die Übernahme durch Patek Philippe als beste Lösung ansieht. Auch die Zukunft des bekannten Uhrenmuseums im Untergeschoss wird thematisiert.
Frau Zahn-Beyer, heute haben Sie bekanntgegeben, dass das Familienunternehmen Chronometrie Beyer, der älteste Uhrengeschäftsbetrieb der Welt an der Zürcher Bahnhofstrasse, Ende Jahr schließt. Ist dies Ihr schwerster Tag?
Es ist sicherlich ein emotionaler Schritt, erleichtert durch die Gewissheit, die bestmögliche Lösung gefunden zu haben. Da weder mein verstorbener Bruder René noch ich Nachkommen haben, war eine familieninterne Übergabe nicht möglich. Dass unser langjähriger Partner Patek Philippe, ebenfalls ein Schweizer Familienunternehmen, das Geschäft übernimmt, ist ein würdiger Abschluss.
Warum haben Sie diesen Weg gewählt?
Der Verkauf wurde bereits vorbereitet, als mein Bruder noch lebte. Wir betreiben seit Jahren eine Patek-Philippe-Boutique an der Bahnhofstrasse, die mit der Übernahme fortgesetzt werden kann. Ein Drittel unserer Mitarbeitenden wird übernommen und unsere Patek-Kunden merken nichts.
Wann haben Sie und Ihr Bruder erkannt, dass die Geschichte von Chronometrie Beyer nach über 260 Jahren enden könnte?
Bereits vor mehr als 20 Jahren. Als klar war, dass wir keine Nachkommen hätten.
Warum erfolgt der Schritt jetzt?
Er hätte ohnehin bald stattfinden müssen, allein aufgrund unseres Alters. Die Gesundheit meines Bruders und sein Tod im letzten Jahr haben den Zeitpunkt jedoch vorgezogen. Ich setze nun um, was wir beschlossen hatten.
An der Bahnhofstrasse wird es mehr Monomarken-Uhrenboutiquen geben. Ist dies ein weiterer Schritt in der Verdrängung unabhängiger Händler durch Marken?
In unserem Fall ist es eine Nachfolgelösung, nicht so.
Dennoch gibt es Berichte über schwierigere Bedingungen für unabhängige Händler.
Es wird anspruchsvoller, aber auch professioneller. Ich bin überzeugt vom Fortbestand des Multimarken-Fachhandels, obwohl wir in letzter Zeit Anfragen von Uhrenmarken hatten, die wir nicht weiterverfolgen konnten.
Was bedeutet die Schliessung für Ihre Kundschaft?
Wir bemühen uns um den gewohnten Service bis Ende Jahr. Danach müssen Kunden einen anderen Händler ihres Vertrauens finden; ein Ausverkauf ist nicht geplant.
Und was sind Ihre persönlichen Pläne?
Zunächst habe ich genug zu tun, um unsere Geschäftstätigkeit und den Verkauf abzuschließen. Ich suche zudem eine Lösung für unser Uhrenmuseum.
Das von Ihrem Vater gegründete Museum ist nicht Teil des Verkaufs. Was wäre die ideale Lösung?
Es hat große Bedeutung, zieht jährlich rund 12 500 Besucher an und ist besonders bei Touristen beliebt – etwa 60 Prozent kommen aus dem Ausland. Eine zentrale Lage in Zürich wäre ideal.