Die Weltmeisterschaft im Männerfussball 2026, die erstmals in den USA, Mexiko und Kanada stattfindet, wird zur bislang größten ihrer Art. Amnesty International hat jedoch Bedenken hinsichtlich der Menschenrechte geäußert, insbesondere bezüglich Überwachung und Einreisebeschränkungen für Fans. Der Sportjournalist Ronny Blaschke, ein Experte auf dem Gebiet des Verhältnisses von Sport und Politik, äußert sich zur Situation.
Ronny Blaschke beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der politischen Dimension im Fussball. Laut SRF News wird die Fifa ihrem Anspruch, für Menschenrechte einzutreten, kaum gerecht. Trotz Formulierungen in Kommissionen und Berichten zur Nachhaltigkeit hat sie WM-Turniere in Ländern wie Russland und Katar zugesprochen. Die kommende Ausrichtung in den USA, einem Land mit autoritären Tendenzen, verstärkt diese Bedenken.
Ein weiteres Problem ist die Einreisebeschränkungen für Fans aus Ländern wie Senegal und Haiti sowie die geplante Überwachung durch US-Behörden mittels KI-gesteuerter Programme. Die Fifa hat sich zu diesen Themen kaum positioniert.
Die Fifa zeigt laut Blaschke primär ein Interesse an einem reibungslosen Turnierverlauf ohne Skandale, da die WM ihre Hauptquelle für Einnahmen ist. Präsident Gianni Infantino betont zwar politische Neutralität, steht aber in engem Kontakt mit politischen Kreisen wie dem Weissen Haus.
Die finanzielle Abhängigkeit der Fifa von einem erfolgreichen Turnier in Nordamerika ist erheblich. Mit 48 Teams rechnet sie mit Einnahmen von rund neun Milliarden Dollar, was das Interesse von Sponsoren und Ligen weltweit steigert.
Für die USA selbst hat die WM politische Bedeutung: Präsident Donald Trump könnte während des Turniers, welches zeitlich mit seinem 80. Geburtstag zusammenfällt, seine innenpolitischen Herausforderungen in den Hintergrund rücken lassen und das Motto «America First» prominent vertreten.
Trotz der Kritik dürften die Fans diese möglicherweise ausblenden; ein breiter politischer Widerstand scheint unwahrscheinlich, da viele Länder wirtschaftliche und politische Verbindungen zu den USA pflegen. Die WM könnte somit als PR-Plattform für die Gastgeber genutzt werden.
Das Interview führte Susanne Stöckl.