An der Gedenkfeier am Mittwoch in Crans-Montana, die drei Monate nach der Katastrophe stattfand, fehlte Italiens Botschafter Gian Lorenzo Cornado. Die Nummer zwei der italienischen Botschaft nahm stattdessen teil. Eine Rückkehr des Botschafters ist bislang nicht bestätigt; gegenüber SRF wurde erwähnt, dass die Entscheidung der Regierung noch aussteht. Seine Abwesenheit dauert nun bereits über zwei Monate an. “Das ist sehr ungewöhnlich und ein schlechtes Zeichen”, meint SRF-Italien-Korrespondent Franco Battel. “Normalerweise ziehen sich Botschafter unter befreundeten Staaten nicht zurück.” Cornado wurde im Januar nach Rom zurückbeordert, nachdem das Zwangsmassnahmengericht in Sitten Jacques Moretti, Betreiber der Bar “Le Constellation”, freigelassen hatte. Dieses Vorgehen löste in Italien großes Unverständnis aus, wie Battel feststellt.
Warum besteht Premierministerin Meloni auf dieser Haltung? Die fortgesetzte Abwesenheit des Botschafters wirft Fragen auf und ist seit Jahrzehnten ohne Beispiel. Weder das italienische Aussenministerium noch Meloni selbst kommentieren die Situation, was Spekulationen Nahrung gibt. Dennoch könnte eine baldige Rückkehr möglich sein, da sich der Aufenthalt des Botschafters nun als übermäßig lang herausstellt.
Welche Absichten verfolgt Italien? Zunächst forderte Meloni ein gemeinsames Ermittlerteam mit der Schweiz, doch es wurde kein offizielles Gesuch eingereicht. Beobachter mutmaßen, dass hierin auch ein politisches Kalkül steckt, um bei italienischen Wählern zu punkten. Aktuell arbeiten die Staatsanwaltschaften beider Länder jedoch zusammen und bewerten ihre Treffen als “gut und produktiv”, weshalb die Notwendigkeit der Forderung unklar bleibt. Battel vermutet, dass Italien aktuell größere Herausforderungen hat.
Was ist mit den Beziehungen? Die Entwicklung der “Affäre Crans-Montana” wird entscheidend sein, insbesondere bei der Schuldzuweisung und Entschädigung für die Opfer. Battel konstatiert jedoch bereits, dass das Verhältnis zwischen den beiden Ländern gelitten hat.
SRF4 News, 31.3.2026, 16:15 Uhr