Die Eishockey-Schweiz befindet sich seit Patrick Fischers Geständnis zur Urkundenfälschung an den Olympischen Spielen 2022 in Peking im Ausnahmezustand. Der langjährige Nati-Trainer wurde freigestellt; seit einer Woche hat Jan Cadieux das Training übernommen, während sich die Mannschaft auf die Heim-WM vorbereitet, die am 15. Mai beginnt. Am Mittwoch standen Trainer und Spieler erstmals den Medien gegenüber.
“Es war eine unerwartete Situation für alle”, so Cadieux. «Jetzt ist es wichtig, nach vorn zu schauen und das zu tun, was wir beeinflussen können.” Der 46-Jährige zeigt sich bislang zufrieden mit der Mannschaft. Das WM-Vorbereitungsspiel gegen Ungarn in Biel wird am Donnerstag ab 19:30 Uhr live auf SRF zwei und der Sport App übertragen.
Cadieux sieht keine Spaltung im Team, da die Spieler stolz darauf sind, das Turnier im eigenen Land zu bestreiten. Gelegentlich könne interner Streit auch förderlich sein. In der Kabine wird seit Anfang Woche viel über Ehrlichkeit gesprochen: «Jeder äußert seine Gedanken, und alle streben das Beste für den Schweizer Eishockey an.
Auch die Spieler waren von Fischers überraschendem Rücktritt betroffen. Goalie Leonardo Genoni beschreibt die Situation als “emotional und turbulent”. Er lobt jedoch die gute interne Kommunikation der Mannschaft: «Wir bleiben fokussiert, auch wenn wir viel besprechen.”
Lian Bichsel bleibt weiterhin von der Nati ausgeschlossen, wie Cadieux bestätigte. Der NHL-Verteidiger ist bis nach der Heim-WM von den Spielen des Nationalteams suspendiert. Die Playoff-Serie seines Teams Dallas Stars gegen die Minnesota Wild steht 1:1.
Alle sind sich bewusst, dass in einem Monat das große Turnier beginnt. «Wir lassen uns nicht ablenken», betont Genoni und erklärt, der Entscheid sei endgültig. Gespräche hätten Klarheit gebracht, nun arbeite das Team noch enger zusammen.
Zum Brief von Roman Josi, in dem die Rückholung Fischers gefordert wurde, will Genoni nichts sagen: «Der Brief war intern gedacht und sollte nicht öffentlich diskutiert werden. Ich hatte viele Gespräche mit allen Beteiligten.”
Tristan Scherwey kommentiert hingegen ausführlich: Der Brief habe keinerlei Unruhe verursacht. Er sei nur publiziert worden, weil Josi breite Unterstützung für seine Position hatte. «Für mich war es ein Zeichen an den Verband», erklärt er.
Scherwey betont die Einigkeit im Team trotz der Turbulenzen und sieht die Heim-WM als Chance, alle zusammenzuführen. Trotz aller Herausforderungen soll das Turnier für die Schweiz zu einem einenden Hockey-Fest werden.