Nach mehreren Wochen des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran setzen die gegenseitigen Angriffe unvermindert fort. US-Präsident Donald Trump hat nun sogar eine Bodenoffensive gegen den Iran ins Spiel gebracht, um Uran zu sichern, das möglicherweise für Atomwaffen genutzt werden könnte. Medien berichten, dass das Pentagon die Entsendung von etwa 10.000 Soldaten angeordnet hat, die auf Landeroberungen und -sicherungen spezialisiert sind.
Andrea Christen ist Korrespondent für die USA bei Schweizer Radio SRF. Früher arbeitete er als stellvertretender Redaktionsleiter von SRF 4 News sowie als Auslandredakteur. Seit 2010 ist er Teil des SRF-Teams.
Trump äussert sich häufig und deutlich: Er droht damit, iranische Kraftwerke, Ölquellen oder Entsalzungsanlagen zu zerstören, falls es keine Einigung gibt. Zuletzt verkündete er seinen Willen, das iranische Öl an sich zu reissen. Weiter forderte er Länder wie Grossbritannien auf, die Sicherheit der Straße von Hormus zu übernehmen, da die USA nicht mehr helfen würden. Dies lässt vermuten, dass Trump diese Wasserstraße nicht als sein Problem ansieht.
Trump wirkt aktuell ungewohnt unstet und widersprüchlich in seinen Botschaften. Eine umfassende Invasion des Irans ist jedoch unwahrscheinlich, da die USA in der Region zu wenige Truppen stationiert haben.
Pete Hegseth, Verteidigungsminister im Amtsenthebungsverfahren, betont, dass alle Optionen offen bleiben – einschließlich Bodentruppen. Diese Unsicherheit ist Teil der Strategie: «Wir operieren nach dem Prinzip, nie unseren Gegner über die nächsten Schritte zu informieren», so Hegseth. Die Operation endet erst, wenn die US-amerikanischen Ziele erreicht sind. Letztlich liegt die Entscheidung beim Präsidenten.
Die USA haben zwei Einheiten der Marines in Bewegung gesetzt: Expeditionseinheiten mit tausenden Marineinfanteristen und Fallschirmjäger-Einheiten, die auf Landeoperationen spezialisiert sind. Diese könnten unter anderem die Insel Charg vor der iranischen Küste angreifen, um dort das Öl abzuklemmen, welches zu 90 Prozent von dieser Insel aus in die Weltmärkte geliefert wird.
Medien diskutieren auch die Möglichkeit, dass US-Streitkräfte die Atomanlage Isfahan im Landesinneren erobern könnten. Die «Washington Post» berichtet über Pläne für langanhaltende Bodenoperationen, während das «Wall Street Journal» zusätzliche 10.000 Soldaten erwähnt.
Ein Eindringen ins iranische Territorium wäre besonders gefährlich und hätte ungewisse Ergebnisse. Trump scheint einen Kriegsende zu wünschen, da seine Umfragewerte sinken und der hohe Benzinpreis zusätzlichen Druck auf ihn ausübt. Obwohl er spektakuläre Militärschläge wie in Venezuela schätzt, könnte ein Bodeneinsatz eine massive Eskalation bedeuten und den Konflikt verlängern – etwas, das Trump angeblich nicht beabsichtigt.
Trump scheint sich in einen unklaren Kriegssog hineinmanövriert zu haben und sucht nach einem Ausweg.