Drohnen sind leicht zugänglich und schwierig abzuwehren, was die deutsche Hauptstadt dazu veranlasst hat, ihre Sensorik zu verbessern. Doch ein vollumfänglicher Schutz bleibt ungewiss.
Die rasante Entwicklung der Drohnentechnologie bringt nicht nur Gefahren auf dem Schlachtfeld mit sich, sondern auch Risiken wie Spionage, Störaktionen und potenzielle Terroranschläge. Obwohl bisher in westlichen Metropolen keine solchen Angriffe verübt wurden, kann das Bedrohungspotenzial nicht ignoriert werden.
Berliner Behörden arbeiten an der Vorbereitung auf diese Herausforderungen und planen die Früherkennung von Drohnen sowie Maßnahmen zu ihrer Neutralisierung. Die Bezeichnung „Berlin Dome“ für das Projekt wurde durch Medienberichte geprägt, nicht von Politikern wie dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Dirk Stettner im Berliner Abgeordnetenhaus, der die Notwendigkeit betont, den Luftraum Berlins eigenständig zu schützen.
Das Vorhaben umfasst keine stationären Abwehrsysteme wie Raketen oder Fliegerabwehrkanonen. Vielmehr konzentriert sich Berlin auf das Erkennen von Drohnen und die Entwicklung unschädlicher Reaktionsstrategien, insbesondere gegen Angriffe mit handelsüblichen Drohnen und improvisierten Sprengstoffen.
Die Notwendigkeit der Vorbereitung wurde im vergangenen Herbst deutlich, als unbekannte Drohnen Flughäfen lahmlegten, Kasernen überflogen und Rüstungsunternehmen ausspionierten. Die geringe Handlungsfähigkeit in dieser niedrigen Eskalationsphase führte zu großer Besorgnis.
Ein verbessertes Lagebild würde der Polizei im Ernstfall erlauben, Maßnahmen wie Absperrungen, Unterbrechung von Veranstaltungen und Evakuierungen einzuleiten. Das Projekt ist mit fünf Millionen Euro budgetiert, wobei die Umsetzung für das kommende Jahr geplant ist. Auch bei der SPD stoßen diese Pläne auf Zustimmung.
Rechtliche Fragen zur Zuständigkeit sind eine Hürde: Während größere Bedrohungen den Bund betreffen und der Flughafen BER anderen Stellen unterliegt, wurde im Herbst ein Drohnenabwehrzentrum eingerichtet, um die Koordination zu verbessern. Der rechtliche Flickenteppich erschwert jedoch die Zusammenarbeit zwischen Behörden.
Ein bereits existierendes Konzept sieht 62 Funk-Sensoren vor, die Berlins gesamtes Stadtgebiet überwachen könnten. Im Regierungsviertel sollen zudem Radar und Kameras eingesetzt werden, um auch autonome Drohnen erfassen zu können.
Kritik von Parteien wie den Grünen und der Linkspartei, die eine Überwachung befürchten, wird von Stettner zurückgewiesen. Für ihn steht der Schutz von Menschenleben im Vordergrund, da die Luftraumüberwachung nicht mit Eingriffen in private Räume gleichzusetzen sei.
Sicherheitsexperte Frank Sauer bezeichnet Berlins Maßnahmen als sinnvollen ersten Schritt. Die Frage nach weiteren Abwehrmöglichkeiten bleibt jedoch offen, insbesondere im Hinblick auf die Risiken einer direkten Bekämpfung in dicht besiedelten Gebieten.
Stettner erwägt alternative Ansätze wie das Kappen von Drohnen oder den Einsatz von Abfangdrohnen mit Netzen, um Zivilisten zu schützen. Eine solche Methode könnte eine praktikable Lösung bieten, auch wenn sie nicht perfekt ist.