«Andiamo!», ruft Leo Zuber und setzt die Virtual-Reality-Brille auf. Zusammen mit seinen Mitschülerinnen und -schülern erleben sie eine virtuelle Reise in die italienischsprachige Schweiz, reisen per Zug ins Tessin und erkunden ihre Umgebung unter Anleitung einer digitalen Begleiterin. Die Ausflüge starten direkt aus dem Klassenzimmer. Später besuchen sie die Burgen von Bellinzona, kaufen ein Picknick ein, bereiten Risotto zu und essen in einem Grotto im Misox im Kanton Graubünden. Dabei wird stets Interaktion mit virtuellen Einheimischen gefordert, um spontan Italienisch sprechen zu können – eine zukunftsorientierte Lehrmethode aus dem Jahr 2026. «Hier kann ich alles vergessen und einfach reden, ohne Angst vor Fehlern. So mache ich große Fortschritte», berichtet die Schülerin Alessia Crisafulli nach der Reise. Ines Honegger Wiedenmayer, Lehrerin am Berner Gymnasium Kirchenfeld, hat das Projekt initiiert. Sie betont: «Das Ziel von Sprachunterricht ist freies Sprechen und Hemmungen abbauen. Grammatik und Vokabular dienen der mündlichen Kommunikation.» Auch Kultur und Atmosphäre der italienischsprachigen Regionen sollen so vermittelt werden. Gemeinsam mit der Fachhochschule Graubünden wurde die virtuelle Tour entwickelt, finanziert unter anderem vom Bundesamt für Kultur. Die Reise dauert rund zwanzig Minuten, bevor es zurück in den regulären Unterricht geht – Lehrerinnen und Lehrer sind weiterhin notwendig, um Korrekturen vorzunehmen, wie Schüler Luca Weber bestätigt: «Freies Sprechen hilft mir, aber ich brauche die Korrektur meines Lehrers.» Das Berner Projekt ist zunächst eine Ergänzung im Unterricht und könnte künftig auch in anderen Fächern eingesetzt werden, so Honegger Wiedenmayer: «Wenn alles gut läuft, folgen virtuelle Reisen nach Lausanne.» Bis dahin bleibt es beim Italienischunterricht: Alessia Crisafulli bestellt am Ende ihrer Tour im Grotto Risotto mit Steinpilzen: «Scelgo il Risotto ai funghi porcini.»