Das Manöver sei «perfekt geglückt», erklärte Nasa-Managerin Lori Glaze. «Ab jetzt werden die Gesetze der Raumflugmechanik unsere Besatzung zum Mond, um den Mond herum und zurück zur Erde bringen.» Die Crew habe während des Vorgangs das «Geduldspotential» des gesamten Teams hinter dem Vorhaben verspürt, berichtete der kanadische Astronaut Jeremy Hansen aus der «Orion»-Kapsel. «Die Menschheit hat erneut ihre Stärke bewiesen und es sind eure Zukunftsvisionen, die uns auf diese Reise um den Mond mitnehmen.» Die vier Raumfahrer starteten in der Nacht zum Donnerstag (MESZ) an Bord der «Orion»-Kapsel mittels des Raketensystems «Space Launch System» vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida. Der Beginn der von technischen Schwierigkeiten gebeutelten Mission «Artemis II» war wiederholt verschoben worden. Auch nach dem Start traten technische Unstimmigkeiten auf, die jedoch meist klein und schnell behobbar waren. Beispielsweise kam es zu einem temporären Kommunikationsabbruch zwischen den Astronauten und der Erdkontrollstation sowie zu Funktionsproblemen bei der Bordtoilette. «Artemis II» knüpft an die Erfahrungen der unbemannten Mission «Artemis I» aus dem Jahr 2022 an. Die Crew – bestehend aus Hansen sowie den US-Astronauten Christina Koch, Victor Glover und Reid Wiseman – soll zirka zehn Tage im All verbringen und eine Mondumrundung absolvieren, bevor die «Orion»-Kapsel wieder in einem Meergebiet der Erde aufkommen wird. Für Glover, Koch und Wiseman handelt es sich um ihren zweiten Weltraumflug, während es für Hansen der erste ist. Koch war die erste Frau an Bord einer Nasa-Mondmission, Glover der erste nicht-weiße Mensch und Hansen der erste Kanadier. Der Flugverlauf von «Artemis II» ähnelt einer Acht um Erde und Mond; dabei sollen die Astronauten mehr als 2.3 Millionen Kilometer zurücklegen. Am fünften Flugtag wird erwartet, dass «Orion» den Punkt erreicht, an dem der Mond eine stärkere Gravitationswirkung auf das Raumschiff ausübt als die Erde. Am sechsten Tag soll es am nächsten Punkt zur Mondrückseite vorbeifliegen – etwa 7500 Kilometer entfernt. Von dort aus haben die Astronauten die Gelegenheit, sowohl Erde als auch Mond gleichzeitig zu beobachten und eine Sonnenfinsternis mitzuerleben. An diesem Tag könnte sich «Orion» weiter von der Erde entfernen als jemals zuvor Menschen. Der Rekord stammt von der «Apollo 13»-Mission im Jahr 1970 mit einer Entfernung von rund 400’171 Kilometern.