Drei Monate sind seit dem Brand von Crans‑Montana vergangen, doch die Belastung für einige Familien bleibt bestehen. Julie kümmert sich Tag für Tag um ihre Tochter Anaïs, die bei dem Vorfall in der Bar «Le Constellation» schwere Verbrennungen erlitt und nun seitdem in Hannover behandelt wird.\n\n\”Sie verbrachte acht Wochen im künstlichen Koma mit täglicher Lebensgefahr\”, berichtet Julie gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). \”Die Ärzte sagten mir stets, dass ihr Zustand kritisch sei.\”\n\nSeit etwa anderthalb Monaten ist Anaïs wieder wach, ihre Verletzungen haben sich jedoch schwerwiegend ausgewirkt. Sie ist nach wie vor schwerverbrannt, mit rund 70 Prozent der Haut betroffen und kann ihre Hände kaum noch benutzen.\n\nJulie lebt seitdem in einem Hotel nahe dem Krankenhaus, um ihrer Tochter beizustehen. Die Sprachbarriere stellt eine zusätzliche Herausforderung dar, da weder sie noch Anaïs medizinische Informationen auf Deutsch verstehen können und es keine französischsprachige psychologische Betreuung gibt.\n\nDie räumliche Distanz zu Familie und Freunden in der Schweiz belastet zusätzlich. \”Wir sind sieben bis acht Stunden von Zuhause entfernt, ohne die Unterstützung, die wir dort gehabt hätten\”, beschreibt Julie den emotionalen Druck.\n\nAnaïs kämpft mit Schmerzen und dem Bewusstsein ihrer körperlichen Einschränkungen. Ihr fehlt es an sozialer Interaktion und der Wunsch nach Heimkehr ist groß.\n\nNachdem Anaïs am 10\. März als transportfähig galt, wandte sich Julie an das Universitätsspital Lausanne (CHUV), welches für die Rückführung verantwortlich ist. Doch trotz Zusicherungen erfolgte keine Rückholung. Julie musste ständig nachhaken und hörte von Engpässen bei Betten oder Personal.\n\nDie Verzögerung hatte medizinische Konsequenzen: Eine geplante Hauttransplantation wurde verschoben, da auf eine Rückkehr in die Schweiz gewartet wurde. Weitere Operationen, darunter die Amputation von Phalangen an der linken Hand, stehen bevor.\n\n\”Wir hätten diese Eingriffe lieber in der Schweiz machen lassen\”, meint Julie. Die fehlende französischsprachige Betreuung erschwert die Situation zusätzlich. \”Ich fühle mich blockiert und im Stich gelassen.\” Das CHUV versichert, dass Anaïs so schnell wie möglich zurückgeholt werden soll, wobei begrenzte Kapazitäten für Schwerbrandverletzte bestehen. Die Familie wartet auf eine Entscheidung.