Die Antidopingagentur Polens arbeitet eng mit der Polizei, dem Zoll und Cybercrime-Experten zusammen, um Dopingrings zu zerschlagen. Die Initiative hat bereits Erfolge gezeigt: Am Mittwoch muss sich der Anführer einer großen Gruppierung vor Gericht verantworten.
Im März führte die Staatsanwaltschaft in Bielsko-Biala eine großangelegte Aktion durch, bei der zwölf Verdächtige festgenommen wurden. Ihnen wird vorgeworfen, Dopingpräparate und gefälschte Medikamente zu produzieren und zu vertreiben. Eine Razzia im Dezember hatte zuvor das Entdecken eines illegalen Labors ermöglicht. Bilder zeigen dort Gerätschaften zur Herstellung pharmazeutischer Stoffe und Tablettenpressen sowie Verpackungsmaterialien für injizierbare Substanzen.
Laut Staatsanwaltschaft hat die Gruppe zwischen Juli 2022 und Dezember 2025 mehrere illegale Labore betrieben, sich mit Maschinen und Halbfertigprodukten eingedeckt sowie über den Postweg ihre Endprodukte international vertrieben. Der Schaden beläuft sich auf mindestens 7 Millionen Zloty (etwa 1,5 Millionen Franken).
Diese Erfolge sind weniger das Resultat einer besonderen kriminellen Aktivität in Polen als vielmehr der intensiven Zusammenarbeit zwischen Antidopingbehörden und Strafverfolgungsorganen. Agnieszka Ostrowska von der polnischen Antidopingagentur Polada erklärt: “Seit sechs Jahren sind wir Teil eines Polizeitrainingsprogramms, um die rechtlichen Rahmenbedingungen vorzustellen und unsere Unterstützung zu demonstrieren.” Partner in diesem Vorhaben sind unter anderem das Zentrale Ermittlungsbüro der Polizei sowie spezialisierte Cybercrime- und Zoll-Einheiten.
Ostrowska betont, dass die Gesundheitsrisiken durch illegal produzierte Präparate ein entscheidendes Argument für intensivere Bemühungen waren. Diese Risiken sind besonders hoch, da die tatsächlichen Inhalte oft nicht mit den Angaben auf den Verpackungen übereinstimmen. In einem entdeckten Labor wurde sogar Crystal Meth in einem Hundezwinger hergestellt.
Michal Rinkowski, Direktor von Polada, erklärt, dass sich kriminelle Netzwerke zunehmend vom klassischen Drogen- und Zigarettenhandel zu weniger riskanten, aber dennoch lukrativen Geschäften wie dem Handel mit Dopingmitteln bewegen. Bei einer Pressekonferenz in Prag hoben polnische und tschechische Fahnder die Notwendigkeit von grenzüberschreitenden Ermittlungen hervor, um den Netzwerken entgegenzuwirken.
Ostrowska berichtet, dass die Rohstoffe oft aus China und Indien stammen, während Kunden über ganz Europa verteilt sind. Eine im Jahr 2022 aufgedeckte Gruppe hatte eine Kundendatenbank mit etwa 20.000 Namen.
Rafal K., der mutmaßliche Anführer des Rings, wird diese Woche in Gliwice angeklagt. Die Staatsanwaltschaft sieht die Bekämpfung dieser organisierten Verbrechen als dringende Herausforderung an.
Der bisher größte Erfolg gelang 2023 mit der Entdeckung von drei Fabriken und sechs Lagerhäusern, bei denen Waren im Wert von 50 Millionen Zloty sichergestellt wurden. Diese enthielten häufig anabole Steroide sowie Nandrolon und Testosteron.
Aufgrund der Erfolge wurde Polada 2024 als erste Antidopingagentur in die internationalen Ermittlungen von Eurojust einbezogen. Trotz zahlreicher Sportler, die in den Untersuchungen auftauchen, ist es oft schwierig, sie zweifelsfrei zu identifizieren.
Adam “The Bull” Laskawski, ein früherer Weltmeister im Bankdrücken, erhielt eine lebenslange Sperre wegen seiner Verstrickung in das Dopinggeschäft.