Zwei Jahre nach dem Zusammenbruch der Signa-Gruppe intensivieren die Gläubiger ihre Suche nach Vermögenswerten des österreichischen Pleitiers René Benko. Mit der Insolvenz der Laura-Privatstiftung ist eine seiner letzten privaten Rücklagen verschwunden. Das «Chalet N», gelegen über Lech am Arlberg mit spektakulärem Ausblick auf die Vorarlberger Gipfel, könnte verkauft werden. Dieses Luxuschalet war ein zentraler Bestandteil von Benkos Geschäftswelt und diente oft als Treffpunkt für seine Geschäftspartner und Freunde. Die Laura-Privatstiftung, lange Zeit eine sichere Reserve der Familie Benko, meldete kürzlich Insolvenz an. Nachdem das Immobilien- und Handelsimperium von Benko im November 2023 zusammenbrach, wurde er Privatkonkurs und befindet sich seit Januar 2025 in Untersuchungshaft. Die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen schweren Betrugs unter anderem. Zwei Urteile wegen Gläubigerschädigung sind noch nicht rechtskräftig. Wie die Insolvenz der Laura-Privatstiftung die Familie Benko unmittelbar wirtschaftlich beeinflusst, bleibt offen; eine Anfrage der NZZ wurde von Benkos Anwalt unbeantwortet gelassen. Beobachter vermuten seit langem, dass Benko Vermögen in Stiftungen verschoben hat, um es vor Gläubigern zu schützen. Die Laura-Privatstiftung und die Ingbe-Stiftung mit Sitz in Liechtenstein bildeten ein Paralleluniversum zur Signa-Gruppe. Beide Stiftungen haben ihren Gründer formell nie als Begünstigte geführt, wobei seine Mutter Ingeborg jeweils als Stifterin auftritt. Die Laura-Privatstiftung kollabierte durch eine Geschäftsbeziehung in die Golfregion. Der Staatsfonds Mubadala aus Abu Dhabi hatte zwischen 2019 und 2022 in die Signa-Gruppe investiert. Nach dem Konkurs der Gruppe forderte Mubadala vor einem Schweizer Schiedsgericht eine Milliarde Euro von der Stiftung, was diese zur Insolvenzanmeldung zwang. Laut Gerichtsurteil haftete sie für Verpflichtungen gegenüber Signa-Gesellschaften und hatte Vermögen zweckentfremdet, um den Lebensstil der Benko-Familie zu finanzieren. Trotz eines Stiftungsvermögens von 327 Millionen Euro ist Mubadala möglicherweise gezwungen, einen Großteil seiner Forderungen abzuschreiben. Die Insolvenz ist komplex; das Vermögen der Laura-Privatstiftung schrumpfte durch wertlose Beteiligungen an Signa-Firmen. Über 100 Gesellschaften im In- und Ausland müssen geprüft werden, was zeitaufwendig sein wird. Ein weiterer Fokus liegt auf der Ingbe-Stiftung in Liechtenstein, die ebenfalls Benko zugeordnet wird. Andreas Grabenweger, Insolvenzverwalter von Benkos Privatkonkurs, verklagte dort, um Rechte an Ingeborg Benko zu übertragen und Vermögenswerte wie Anteile einer Villa am Gardasee sowie ein Gemälde von Jean-Michel Basquiat zu sperren. Obwohl er einen Zwischensieg erreichte, wird die Klage aufgrund strikten liechtensteinischen Stiftungsrechts als aussichtslos eingeschätzt. Der Ausgang strafrechtlicher Ermittlungen könnte entscheidend sein: Sollte Benko eine faktische Machthaberschaft nachgewiesen werden, könnten Gläubiger einfacher an das Vermögen der Stiftungen gelangen. Das Oberlandesgericht Wien sieht seine Macht innerhalb von Signa und den Stiftungen als erwiesen an.