Die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz hat in einem neuen Klimabericht Optionen wie Kernenergie und Geothermie kaum berücksichtigt. Das Gremium, das mit rund 35.000 Experten der grösste Wissenschaftsverbund des Landes ist, sollte laut Kritikern vielmehr den Handlungsspielraum erweitern statt zu verengen.
Der am Donnerstag in Bern vorgestellte Bericht trägt den Titel “Brennpunkt Klima Schweiz” und gibt einen Überblick über die Entwicklung, Auswirkungen des Klimawandels sowie mögliche Massnahmen für das Land. Obwohl der Bericht sowohl Wissenschaftlern als auch Politik, Gesellschaft und Wirtschaft dienen soll, enthält er kaum Neues.
Das Dokument basiert auf bekannten Quellen wie dem letzten Bericht des Uno-Klimarats (2021-2023) und den Schweizer Klimaszenarien aus dem Vorjahr. Der Ansatz ähnelt einer überarbeiteten Fassung eines 2016er-Dokuments, reduziert die Seitenzahl von 200 auf nur noch 63, indem etablierte Quellen zusammengefasst werden.
In Bezug auf Klimafolgen wirkt der Bericht zwar ausgewogen, stellt aber einige Aspekte sehr pessimistisch dar. So wird etwa kritisiert, dass die aktuell ergriffenen Anpassungen den Klimawandel nicht Schritt halten könnten. Dies scheint angesichts des Rückgangs von Todesopfern durch Wetterkatastrophen fraglich.
Wesentliche Emissionsreduktionsmassnahmen wie Kernenergie werden nur am Rande behandelt, obwohl es eine Tendenz gibt, das Neubauverbot zu revidieren. Bemerkenswerterweise fehlt die Geothermie vollständig, obwohl sie klimafreundlich ist und zunehmend zur Heizung in der Schweiz eingesetzt wird.
Der Bericht berücksichtigt nicht ausreichend zukünftige Entwicklungen wie den steigenden Strombedarf durch neue Rechenzentren im Zuge des KI-Booms. Eine bessere Herangehensweise wäre es, ein breiteres Spektrum an Handlungsmöglichkeiten zu präsentieren und die energiepolitischen Diskussionen der Gesellschaft intensiver aufzugreifen.
Angesichts der Herausforderungen des Klimawandels sollten alle Optionen geprüft werden. Ein relevanter Klimabericht sollte künftig auch kontroverse Energiefragen stärker berücksichtigen.