In den vergangenen 20 Jahren sind Immobilienpreise kontinuierlich gestiegen, wobei sich dieser Anstieg zuletzt beschleunigt hat. Der Erwerb von Wohneigentum scheint auf den ersten Blick ein profitables Unterfangen zu sein, birgt jedoch auch Risiken.
Ein Haus mit sonniger Stube und direktem Zugang zu einem prächtigen Garten ist für viele Menschen der Traum von Wohneigentum. Dieser Traum wird durch die neuesten Zahlen untermauert, die Raiffeisen am Freitag veröffentlicht hat: Im ersten Quartal 2026 stiegen die Preise für Häuser und Wohnungen in der Schweiz erheblich an. Einfamilienhäuser verteuerten sich im Durchschnitt um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal, während Wohnungen einen Anstieg von 1,8 Prozent verzeichneten.
Innerhalb eines Jahres legten die Preise für beide Arten von Immobilien um 4,9 Prozent zu. Die steigenden Kosten machen deutlich, dass der Traum vom Eigenheim nicht mehr jedem offensteht, wie in den 1990er Jahren noch der Fall war. Dennoch können immer noch zahlreiche Menschen sich eine Eigentumswohnung oder ein Haus leisten.
Am stärksten fiel der Preisanstieg bei Einfamilienhäusern in der Westschweiz und im Bernischen aus, mit Zuwächsen von 7,4 Prozent bzw. 6,7 Prozent innerhalb eines Jahres. Im Gegensatz dazu waren die Preissteigerungen für Häuser in der Nordwestschweiz mit 3,0 Prozent am geringsten.
Bei den Wohnungen zeichnet sich die Innerschweiz als Spitzenreiter aus, hier stiegen die Preise um 7,3 Prozent. In der Südschweiz verzeichneten sie eine Erhöhung von 5,5 Prozent, während im Genferseegebiet ein Rückgang von 0,8 Prozent zu beobachten war.
Eine Analyse nach Gemeindetypen zeigt, dass Wohnimmobilien in touristischen Regionen besonders gefragt sind. Dort stiegen die Preise innerhalb eines Jahres um 5,8 Prozent, was auf das knappe Angebot zurückzuführen ist. Fredy Hasenmaile, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz, erklärt: “Aufgrund der Zweitwohnungsinitiative wurde hier in den letzten Jahren weniger gebaut.”
Das begrenzte Angebot trifft auf eine hohe Nachfrage, da viele Berufstätige mittlerweile flexibel arbeiten können und mehr Zeit fernab ihrer Arbeitsorte verbringen.
Die hohen Preise für städtische Wohnungen sind in den Zahlen von Raiffeisen ersichtlich, wo diese lediglich um 1,4 Prozent angestiegen sind. Seit über zwei Jahrzehnten steigen die Immobilienpreise kontinuierlich an, und es ist wahrscheinlich, dass dies noch einige Zeit so bleiben wird. Niedrige Zinsen, ein knappes Wohnungsangebot und eine hohe Nachfrage tragen zu dieser Situation bei.
Aufgrund der niedrigen Zinsen lohnt sich für Käufer mit ausreichend finanziellen Mitteln trotz der hohen Preise der Erwerb von Immobilien. Die Kosten für Hypothekarzinsen und die Tilgung sind oft günstiger als die Miete einer vergleichbaren Wohnung.
Es kursiert das Schreckgespenst einer Immobilienblase, aber Hasenmaile sieht hier kein Risiko: “Da die hohen Preise auf den knappen Wohnraum zurückzuführen sind, ist eine Blase unwahrscheinlich.”
Dennoch kann ein Fehlkauf bei Immobilien nicht ausgeschlossen werden. Hasenmaile warnt vor Objekten an ungünstigen Standorten ohne Keller oder Balkon, die den Wiederverkauf erschweren können.
Wer eine Wohnung oder ein Haus kaufen möchte, sollte sich Zeit nehmen und genau überlegen, was wichtig ist. Einige Menschen benötigen keine zusätzlichen Räumlichkeiten wie einen Balkon, während andere weniger störungsanfällig sind und günstiger in der Nähe von Flughäfen wohnen können.
Eine Wohnung zu erwerben kann sich auch lohnen, wenn man sie selbst nicht nutzen möchte. Die Wertschwankungen bei Immobilien sind im Vergleich zu Aktien geringer. Jedoch unterschätzen viele den Aufwand der Vermietung: Mieter können Ansprüche stellen oder in Zahlungsverzug geraten. Außerdem muss die Liegenschaft gewartet werden, was mit zunehmendem Alter des Objekts ansteigt. Hasenmaile empfiehlt daher, Einnahmen aus Mieten anzusparen, um für mögliche Zinsanstiege vorbereitet zu sein.