In seinem Atelier im Prenzlauer Berg, wo sich das Gebiet in Richtung weniger gentrifiziertes Pankow erstreckt, erzählt Jonathan Meese von seinen Sorgen um seine 96-jährige Mutter, die einen Schlaganfall hatte. Er kümmert sich zusammen mit anderen um sie und hat seitdem fast zwanzig Kilo durch eine Abnehmspritze wie Ozempic verloren, was ihn auf nun hundert Kilo reduzierte. Für Meese sind das Private und Berufliche eng verbunden; er sieht Kunst als etwas Natürliches an, vergleichbar mit Atmen oder Essen.
Auf die Frage, ob seine Bilder sich von selbst malen würden, antwortet er: «Kunst ist wie ein natürlicher Vorgang.» Er betont, dass Kunst über Ideologien stehen sollte und nicht politisiert werden darf. Meese kritisiert den Einfluss der 68er auf Politik, während sie in anderen Bereichen Erfolge feierten. Als Künstler sieht er sich vor allem dem Reich der Kunst verpflichtet. Er würde für die CDU malen, wenn es um Persönlichkeiten wie Franz Josef Strauss ginge, da dies aus seiner Sicht keine politische Vereinnahmung sei.
Zur Berlinale äußerte Meese, dass ein Filmfestival über Politik stehen sollte und Freiheit vom Individuum komme. Er sieht Kunst als etwas Unabhängiges, das durch seine Präsentation bestimmt wird. Bei Werken wie «Guernica» von Picasso betont er die künstlerische Qualität unabhängig von politischen Themen.
Meese beschreibt sich selbst als jemanden, der aus dem Abseits agiert und Kunst stark macht. Er sieht seine Mutter als Skulptur an und glaubt daran, dass alle durch Kunst überleben. Seiner Meinung nach entwickelt man sich künstlerisch durch persönliche Schicksalsschläge.
Meese bezeichnet sich selbst als «verrückt», weil er im Abseits lebt. Er spricht von seiner Mutter als deutsches Symbol, das so wie Deutschland gebeutelt ist. Trotz der Pflegepflicht sieht er in ihr eine Kraftquelle und Inspiration für seine Kunst.
Künstlerisch gesehen hat Meese sich weiterentwickelt, vor allem durch die Herausforderungen des Lebens. Er beschreibt seine Mutter als Quelle seiner künstlerischen Stärke, auch wenn sie ihn manchmal in Schwierigkeiten bringt. Sein Ziel ist es, Kunst unabhängig zu machen und sich nicht von Ideologien beeinflussen zu lassen.