Mit seiner markanten Kombination aus Goldgelb auf Schwarz signalisiert der Feuersalamander eindrücklich: Ungefährlich ist er nicht. Dieses Muster, das keine andere Amphibienart in der Schweiz so deutlich zeigt, vermittelt eine klare Botschaft an potenzielle Fressfeinde: Friss mich auf eigene Gefahr! In der Kommunikation zwischen Beute und Jäger bedeutet es, dass die Salamander ungeniessbar sind.
Trotz dieser eindeutigen Warnung verleitete das auffällige Farbenspiel in den letzten zwei Jahrtausenden Menschen zu irrigen Schlussfolgerungen. Aristoteles etwa behauptete im vierten vorchristlichen Jahrhundert in seiner “Geschichte der Tiere”, dass Salamander Feuer löschen könnten, was ihnen zum Verhängnis wurde: Bei Bränden warfen sie Menschen oft lebendig ins Feuer.
Im Mittelalter glaubten Alchemisten sogar, aus den Amphibien Gold gewinnen zu können. Sie verbrannten die Tiere in Schmelztiegeln und fügten Quecksilber hinzu – ein Experiment, das höchstens Kopfschmerzen zur Folge hatte.
Plinius der Ältere schrieb im ersten nachchristlichen Jahrhundert: “Der Salamander kann viele Menschen zugleich töten; denn wenn er einen Baum besteigt, vergiftet er mit seinem Gift alles Obst und tötet diejenigen, die es essen…” Tatsächlich kriechen Salamander nicht auf Bäume, noch besprühen sie ihre Gifte über Früchte. Das Gift wird hauptsächlich in Hautdrüsen hinter dem Kopf produziert. Hauptbestandteil ist eine Chemikalie namens Samandarin, die bitter schmeckt und so Fressfeinde wie Fuchs oder Hund dazu bringt, den Salamander sofort wieder auszuspucken. Das Gift hat auch antibakterielle Eigenschaften.
Beim Menschen wirkt das Gift in geringer Dosis anregend und blutdrucksteigernd; es fand sogar Anwendung bei der Epilepsie-Behandlung. In grösseren Mengen kann es jedoch tödlich sein, wobei Zuckungen, Erbrechen, Krämpfe und letztlich Atemstillstand die Folge sind. Dazu müsste eine erwachsene Person aber zwei ganze Salamander verzehren.
Es gibt Berichte über eine Frau, die ihrem Mann Salamanderfleisch ins Essen mischte, um sich von ihm zu trennen – erfolglos. Möglicherweise hatte sie nicht genug Dosis verwendet: statt der gefährlichen zwei nur einen Salamander.
Atlant Bieri ist ein Naturforscher und Abenteurer, Autor zahlreicher Bücher für Erwachsene und Kinder. Er lebt hauptsächlich in Pfäffikon (ZH).