Eis, Wind und Kälte dominieren sowohl in der Arktis als auch in der Antarktis. Dennoch folgen ihre Eisdecken, Ozeane und Ökosysteme unterschiedlichen Naturgesetzen. Eine Expedition in die Antarktische Halbinsel verdeutlicht: Ein direkter Vergleich beider Pole ist irreführend. Auf dem deutschen Forschungsschiff «Polarstern» arbeitet sich das Schiff durchs dichte Eis des Südpolarmeeres. Schollen brechen und treiben im blaugrauen Wasser davon, während die Meereisforscherin Stefanie Arndt über eine endlos erscheinende Eisfläche stapft. Ihr roter Polaranzug leuchtet in der weißen Landschaft bei minus sechs Grad Celsius. Mit mehr als 16 Jahren Erfahrung in den Polargebieten untersucht sie das Weddellmeer, eine wichtige Region für Klima- und Ozeanforschung. Arndt rammt einen Messstab durch die Schneedecke, um die Veränderungen der Landschaft zu dokumentieren. Für Außenstehende könnte diese Szene wie ein Klischee einer Polarregion wirken. Doch Arndt erkennt sofort, dass sie in der Antarktis ist. Obwohl Arktis und Antarktis ähnlich klingen, sind sie nicht verwandt – nur ihre griechischen Namen legen das nahe: «Arktós» steht für den Bären am Nordhimmel, während «Antarktikós» sich auf die entgegengesetzte Region bezieht. Die Antarktis wurde erst vor etwa 200 Jahren entdeckt, und anstelle von Bären fanden Seefahrer Pinguine. Ein Vergleich der beiden Pole zeigt, dass sie ungefähr so viel gemeinsam haben wie Eisbären und Pinguine. Beide Regionen sind kalt aufgrund ihrer Lage am Erdpol, wo die Sonne tief steht und wenig Wärme liefert. In der Polarnacht bleibt sie monatelang unter dem Horizont. Doch ihre Unterschiede gehen tiefer. Arndt zeigt auf den antarktischen Kontinent, der von einer kilometerdicken Eisschicht bedeckt ist und fast das gesamte Südpolargebiet umfasst. Er beherbergt etwa 90 Prozent des weltweiten Eis- und 70 Prozent des Süsswassers. Im Winter friert das umliegende Meer zu einem Meereisgürtel ein. Im Gegensatz dazu liegt am Nordpol ein Ozean, der von Land umgeben ist und saisonal zufriert. Diese Unterschiede beeinflussen alles: vom Meereis über die Ozeane bis hin zum Klima und Leben an beiden Polen. In der Antarktis bleibt Schnee oft auf dem Eis liegen, während in der Arktis im Sommer Schmelzwasser das Eis dunkler macht und mehr Sonnenenergie absorbiert. Mit durchschnittlichen Jahrestemperaturen von minus 35 bis minus 40 Grad Celsius ist die Antarktika extrem kalt und hochgelegen, was kalte Winde erzeugt. Während Arndt misst, untersucht eine andere Forscherin, Kirstin Schulz, Turbulenzen im Wasser unter dem Eis. Die Ozeane beider Pole werden unterschiedlich von warmem Meerwasser beeinflusst: In der Arktis gelangt relativ warmes Atlantikwasser nahe an die Oberfläche, während in der Antarktis ein Zirkumpolarstrom warme Wassermassen fernhält. In der Arktis leben Millionen Menschen und es gibt kulturelle Interaktionen mit indigenen Gemeinschaften. Die Antarktis hingegen ist menschenleer, abgesehen von Forschern und Touristen, da dort niemals eine indigene Bevölkerung existierte. Während die Arktis reich an Tier- und Pflanzenarten ist, ist das Leben in der Antarktis spärlich. Die Tiere hier sind oft zutraulicher gegenüber Menschen als im Norden. Trotz unterschiedlicher Natur haben beide Pole eine ähnliche Herausforderung: Das Schmelzen ihres Eises verändert Lebensräume, erhöht den Meeresspiegel und beeinflusst das globale Klima.