Eine außergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung von 77,8 Prozent wurde bei den ungarischen Parlamentswahlen verzeichnet. Dies übertrifft den bisherigen Rekord von 70,5 Prozent aus dem Jahr 2002 deutlich, wie die zentrale Wahlbehörde berichtet.
Die Entscheidung wird als eine der wichtigsten seit der demokratischen Wende 1989/90 angesehen und bestimmt über das Schicksal der Regierung von Viktor Orban. Der Ministerpräsident zeigte sich optimistisch: «Ich bin hier, um zu gewinnen», erklärte er nach seiner Stimmabgabe in Budapest.
Oppositionsführer Peter Magyar vom Tisza-Partei sprach von einer historischen Richtungsentscheidung zwischen Ost und West. Nach der Wahl hofft er auf einen Sieg seiner Partei, um gegen Korruption vorzugehen und blockierte EU-Finanzhilfen für Ungarn zu entsperren. Er verspricht außerdem eine Stärkung der Position des Landes in der EU und NATO.
Magyar appellierte an die Wähler, etwaige Unregelmäßigkeiten bei der Wahl zu melden. Orban hingegen charakterisierte das Rennen als Entscheidung zwischen «Krieg und Frieden», indem er Magyar vorwarf, Ungarn in den Ukraine-Konflikt mit Russland ziehen zu wollen.
Einige Wähler äußerten Unzufriedenheit mit der Regierung Orban aufgrund wirtschaftlicher Stagnation und steigender Lebenshaltungskosten. Auch Korruptionsvorwürfe gegen regierungsnahe Oligarchen belasten die Regierung.
Trotz einer unklaren Ausgangslage, bedingt durch unentschlossene Wähler und eine umstrittene Wahlkreiseinteilung zu Gunsten von Orbans Partei, bleiben die Ergebnisse offen. Die Unterstützung zahlreicher Ungarn in den Nachbarländern könnte für Orbans Lager entscheidend sein.
Die rund acht Millionen wahlberechtigten Bürger haben bis 19 Uhr Zeit ihre Stimme abzugeben. Es gibt keine vorläufigen Umfragen oder Hochrechnungen; erste verlässliche Ergebnisse werden am Abend erwartet.