Der ZSC, Titelverteidiger der Schweizer Eishockey-Liga, musste sich in den Play-offs dem Rekordmeister Davos geschlagen geben. Trotz des Ausscheidens wird nicht von einem Desaster gesprochen; dennoch werden bereits die Zukunft des Trainers Marco Bayer und das Teamgefüge diskutiert.
Während der Partie, kurz vor Beginn der Verlängerung, spielte ein DJ im Stadion den Song «Spiel mir das Lied vom Tod». Nur 65 Sekunden später erzielte Brendan Lemieux von Davos den entscheidenden Treffer zum Sieg und somit den Einzug in die Finalspiele. ZSC-Captain Patrick Geering beschrieb daraufhin sein Gefühl der Niederlage als ungewohnt.
Der ZSC war zuletzt äußerst erfolgreich: Meister 2024 und 2025, sowie Champions-Hockey-League-Sieger 2025. Das teure Kader des Klubs hatte mit Spielern wie Sven Andrighetto und Denis Malgin große Erfolge gefeiert. Doch in der aktuellen Play-off-Serie konnte Andrighetto nach einer Hirnerschütterung nicht mehr antreten, was das Team spürbar schwächte. Auch Malgin blieb ohne Skorerpunkt über fünf Spiele.
Zusätzlich konnten die Ausländer im ZSC-Team nicht überzeugen, mit Ausnahme von Juho Lammikko, der aus der NHL zurückkehrte. Torhüter Simon Hrubec ließ mehr Gegentreffer zu als gewohnt und Stürmer wie Rudolfs Balcers sowie Jesper Frödén blieben unauffällig. Der Verteidiger Mikko Lehtonen trug die Verantwortung für das ineffiziente Powerplay mit nur elf Prozent Erfolg.
Die Saison offenbarte zahlreiche Defizite im ZSC-Kader, trotz der Warnung von Trainer Marco Bayer vor einer dritten Meisterschaft in Serie. Davos zeigte sich intensiver und abgezockter, was die zehnjährige Durststrecke ohne Titel vergessen machte.
Nach dem Ausscheiden wurde sofort über Bayers Zukunft diskutiert. Während der «Tages-Anzeiger» eine Trainerdiskussion forderte, zeigte sich Sportchef Sven Leuenberger bei einem Gespräch mit dem «Blick» überrascht. Bayer ist bis 2027 vertraglich gebunden und hatte dennoch einen schwierigen Start.
Der neue Präsident Lorenz Frey-Hilti könnte die zukünftige Ausrichtung des ZSC beeinflussen, da bald eine Nachfolgeregelung für CEO Peter Zahner erforderlich wird. Frey-Hilti, ein SVP-Mitglied und Sohn von Walter Frey, begleitete das Team eng während der Play-offs.
Es bleibt abzuwarten, ob die ZSC-Chefetage denkt, dass ein anderer Trainer mehr aus dem Kader herausholen könnte. Der ZSC gilt als attraktiver Arbeitgeber und kann namhafte Trainer finanzieren. Doch für das Team bedeutet nur der Titel Erfolg – Experimente sind nicht drin.
Bayer führte im Play-off konservativ, setzte auf bewährte Kräfte und ließ junge Talente von GCK Lions außen vor. Erst kürzlich erklärte er, nach einer Niederlage in Kloten hätte es seine Trainerposition gefährdet.
Leuenberger äußerte sich nach dem Ausscheiden zurückhaltend, wobei er eine gründliche Saisonanalyse ankündigte. Nun schaut der ZSC zu, wie Davos im Final gegen Gottéron um den 32. Meistertitel kämpft.