Die jüngsten Wahlergebnisse in Ungarn haben weltweit Aufmerksamkeit erregt, da sie als deutliches Signal an Europas Rechtsaußen gelten. Dies ist die Einschätzung von Natascha Strobl, einer österreichischen Politikwissenschaftlerin und Expertin für rechtsextreme sowie rechtspopulistische Parteien. Früher stand sie den Sozialdemokraten nahe und gibt regelmäßig Medieneinschätzungen ab (Bildquelle: Christopher Glanzl).
SRF News fragte Natascha Strobl, ob sie von der Wahlniederlage Viktor Orbans überrascht war. Sie antwortete, dass die Abwahl nicht unerwartet kam, jedoch beeindruckend sei, wie früh klar wurde, dass die Opposition eine Zweidrittelmehrheit erreichen würde. Strobl lobte Orban dafür, seine Niederlage schnell eingeräumt zu haben und versuchte, sich als fairer Verlierer darzustellen.
Orbans Partei Fidesz wird oft dem Rechtspopulismus zugeordnet, da sie einen Gegensatz zwischen dem Volk und einer angeblichen Elite konstruiert. Natascha Strobl betrachtet Orbáns Abwahl als eine klare Niederlage der extremen Rechten, insbesondere nachdem sich in Budapest bedeutende Figuren wie Giorgia Meloni, Marine Le Pen und Alice Weidel versammelt hatten.
Die Expertin interpretiert dies als klares Votum gegen rechtspopulistische Parteien in ganz Europa. Die ungarischen Wähler haben gezeigt, dass sie solche Einflüsse nicht wertschätzen und sich von ausländischer Einmischung distanzieren.
Orbans Politik unterschied sich durch den umfassenden Griff nach staatlichen Institutionen und die Bildung eines internationalen Netzwerks rechtsextremer Politiker. Seine Niederlage wird auf das Scheitern an der Realität zurückgeführt, insbesondere bei wirtschaftlichen Themen wie Korruption, Preiserhöhungen und sinkender Lebensqualität.
Wahlsieger Peter Magyar konzentrierte sich in seiner Kampagne mehr auf praktische Themen wie Wirtschaft und Korruption statt auf abstrakte Demokratie-Ideale. Diese Strategie wird als effektiver Weg angesehen, um gegen Rechtspopulismus anzutreten.
Das Gespräch führte Isabelle Maissen.
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