Das angeschlagene Spital Wetzikon steht vor einem entscheidenden Moment, der durch ein überraschendes Angebot in letzter Minute möglicherweise eine unerwartete Wendung nimmt. Ursprünglich stand die Zukunft des Spitals zwischen Rettung und Konkurs; Gläubiger hätten über einen Sanierungsplan abstimmen sollen, der bis zu 180 Millionen Franken an Verlusten für sie bedeutet hätte. Doch nun könnte eine private Investorengruppe einspringen und das Spital übernehmen, womit die Zürcher Oberländer Gemeinden möglicherweise aus dem Spiel sind.
Diese Entwicklung ist mit dem Swiss Medical Network und seiner Muttergesellschaft Aevis Victoria verbunden. Wie berichtet, hat diese Gruppe ein Angebot vorgelegt, dessen Details jedoch nicht bekannt gegeben werden. Das Spital bestätigte lediglich die Existenz eines schriftlichen Angebots, ohne weitere Informationen zu nennen.
Das Swiss Medical Network ist der zweitgrößte private Klinikbetreiber in der Schweiz nach Hirslanden und zählt ebenfalls ungewöhnliche Eigentümer. Antoine Hubert, ein Walliser Immobilieninvestor, gehört dazu und hat sich mit seiner Firma zu einer beachtlichen Größe im Gesundheitswesen entwickelt.
Hubert, Jahrgang 1966, erlangte Bekanntheit durch seine unkonventionelle Karriere. Nach einem frühen Geschäftsmisserfolg fand er seinen Weg ins Gesundheitswesen, indem er eine Privatklinik am Genfersee kaufte und erfolgreich restrukturierte. Immobilien spielen in seinem Geschäftsmodell nach wie vor eine entscheidende Rolle.
Unter seiner Führung wuchs das Swiss Medical Network zu einem Netzwerk von 21 Spitälern, trotz finanzieller Herausforderungen wie Schulden von 839 Millionen Franken und jährlichen Verlusten. Hubert überstand zudem einen öffentlichen Machtkampf innerhalb des Unternehmens, bei dem er kurzzeitig abgesetzt wurde, aber später wieder ins Amt kam.
Heute kontrollieren Hubert und sein Partner Michel Reybier drei Viertel der Aevis Victoria. Ihr Interesse am Spital Wetzikon könnte den Gläubigern eine vorteilhaftere Option bieten als der bisherige Sanierungsplan, da weniger Verluste für sie in Kauf genommen werden müssten.
Insider vermuten die Beteiligung von Investoren wie Kawa, die bereits in Spitalanleihen investiert haben. Die vorgeschlagene Lösung sieht vor, dass Kawa einige Immobilien erwirbt und Swiss Medical Network als Betreiber einzieht.
Die Krise des Spitals reicht zurück bis 2014 mit einer nicht abbezahlten Anleihe von 170 Millionen Franken für einen unvollendeten Neubau. Versuche, eine Kantonsgarantie zu erhalten, scheiterten zuletzt, was die Lage weiter erschwerte.
Obwohl das Angebot unter Verschluss bleibt, ist klar, dass Gläubiger den bisherigen Plänen skeptisch gegenüberstehen und Misstrauen äußern. Die Hürden für eine Zustimmung zum Sanierungsplan sind hoch; ein Nein einer Minderheit würde Konkurs bedeuten.
Einige sehen die Privatisierung kritisch, während andere in dem Angebot des Swiss Medical Network einen gangbaren Weg erkennen. Der Ausgang bleibt spannend und könnte weitreichende Folgen haben.