In der KI-Branche steigt die Warnung vor den Auswirkungen ihrer Technologien an. Sam Altman, ein prominenter Akteur in diesem Feld, nutzt dies geschickt für Marketingzwecke eher als aus kritischer Selbstreflexion. Als CEO von OpenAI steht er vor einem Dilemma: Er entwickelt Lösungen für Probleme, die teilweise durch seine eigene Arbeit entstanden sind. Seine Firma, bekannt durch Anwendungen wie Chat-GPT, sieht sich mit der Herausforderung konfrontiert, eine Gesellschaft zu gestalten, in der KI viele Arbeitsplätze überflüssig machen könnte – ein Kampf gegen die eigenen Innovationen.
Überraschenderweise warnt Altman ausgerechnet vor den Gefahren seiner Arbeit. Dies tut er sehr umfassend: Er veröffentlichte ein 13-seitiges Papier mit dem Titel «Industrial Policy for the Intelligence Age». Es enthält Vorschläge, um “den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen”, darunter Umverteilung und Mitbestimmung der Mitarbeiter bei KI-Anwendungen sowie die Einführung einer Viertagewoche mit vollem Lohnausgleich.
Die Liste schwankt zwischen sozialromantischen Idealen und demonstrativer Selbstkritik. Altman warnt vor einer ungleichen Gewinnverteilung zugunsten weniger Unternehmen wie OpenAI. Sein Appell, den durch KI geschaffenen Wohlstand breit zu verteilen, wirkt dabei fast übertrieben selbstlos.
Doch es gibt Gründe für Skepsis: Erstens erscheint das Papier während einer kritischen Phase für OpenAI, die sich auf einen Börsengang vorbereitet. Die öffentliche Wahrnehmung des Unternehmens steht nicht zum Besten, und ein Image als verantwortungsbewusster Konzern könnte von Vorteil sein.
Zweitens dient der Alarmismus über den potenziellen Arbeitsplatzverlust auch der Eigenwerbung. Durch die Darstellung der KI-Technologie als notwendige Revolution soll auf deren Produktivitätspotenzial hingewiesen werden, um Investoren zu gewinnen – obwohl es kaum Daten gibt, die einen solchen Effizienzsprung belegen.
Drittens ist das Papier ein industriepolitischer Text. Altman fordert staatliche Unterstützung für den Ausbau von Infrastrukturen wie dem Stromnetz, um seine Expansionsziele zu erreichen. Das klingt sozialpolitisch fortschrittlich, dient aber letztendlich der Sicherung des eigenen Handlungsspielraums.
Firmen handeln im Eigeninteresse und versuchen, staatliche Unterstützung für ihre Ziele zu gewinnen. Für Altman ist es weniger entscheidend, die selbst verursachten Probleme zu lösen, als vielmehr nach außen als deren Bekämpfer wahrgenommen zu werden.