Die Leitung der Grossbank hat die Pläne des Bundesrats zur Eigenmittelverordnung auf der Generalversammlung in Basel entschieden kritisiert und dabei Unterstützung von unerwarteter Seite erhalten. Colm Kelleher, Verwaltungsratspräsident der UBS, unterstrich vor den mehr als tausend Aktionären die Dringlichkeit: «Wir stehen an einem entscheidenden Punkt für die UBS und den Schweizer Finanzplatz. Die laufende Regulierungsdebatte in unserem Land wird unsere Zukunft maßgeblich beeinflussen.» Seine Präsenz auf dem Grossbildschirm verdeutlichte die Bedeutung des Anlasses. Die Teilnehmenden der Generalversammlung waren sich bewusst, dass das Eidgenössische Finanzdepartement in Bern die Veranstaltung genau beobachtete. Erwartet wird, dass Finanzministerin Karin Keller-Sutter und ihre Kollegen bald neue Regeln für systemrelevante Banken präsentieren werden. Der Bundesrat schlägt vor, dass die UBS mehr Eigenkapital für ihre Auslandstöchter bereithalten muss, um potentielle Verluste besser abzufedern. Diese Vorschläge sollen einen erneuten Finanzskandal wie bei der Credit Suisse verhindern. Doch innerhalb des Managements stießen diese Pläne auf Widerstand. Der UBS-Chef Sergio Ermotti und sein Team argumentieren, dass die Regulierung das Wachstum hemme, die internationale Wettbewerbsfähigkeit untergrabe und der Bank als Arbeitgeber schade. Kelleher erklärte in seiner Rede auch, warum Lobbying unabdingbar sei: «Wir sind der drittgrößte private Arbeitgeber des Landes.» Über 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie deren Familien hängen von der Bank ab. Die UBS bietet zudem über 2300 Aus- und Weiterbildungsplätze an und hat im vergangenen Jahr Waren und Dienstleistungen im Wert von vier Milliarden Franken im Inland bezogen, wodurch sie zahlreichen Familien den Kauf eines Eigenheims ermöglichte. Kelleher betonte die Bedeutung der UBS als Schweizer Institution, deren Existenz das Land in seinen Grundfesten erschüttern würde. Er bekräftigte den Wunsch, den Hauptsitz in der Schweiz zu behalten, während er gleichzeitig auf die Notwendigkeit hinwies, mögliche negative Auswirkungen des Regulierungsvorhabens sorgfältig zu prüfen und «unvermeidbare geschäftliche Entscheidungen» vorzubereiten. Interessanterweise schienen viele Aktionäre an diesem Tag mehr von anderen Themen beschäftigt als von den neuen Eigenkapitalregeln. Im Tram zur St.-Jakobs-Halle waren andere Gesprächsthemen präsenter. Die Frage nach der Wirkung der Mahnworte Kellehers blieb offen. UBS-Chef Sergio Ermotti sprach noch deutlicher: «Wir brauchen keine Angstmacherei», sagte er und plädierte für eine zielgerichtete, verhältnismäßige und international abgestimmte Regulierung. Ermotti hofft auf eine Lockerung der Vorschläge durch das Parlament und findet Unterstützung bei Natalia Ferrara, der Gewerkschaftsvertreterin. Sie kritisierte die Politik für ihre Rolle beim Untergang der Credit Suisse und wies darauf hin, dass die Arbeitslosenquote im Bankensektor hoch sei. Ermotti versicherte, bis zum Schluss dafür zu kämpfen, dass Entscheidungen in Bern auf Fakten basieren. «Wir dürfen uns nicht vorwerfen lassen, wir hätten nicht deutlich genug gesprochen», sagte er. Nach der Generalversammlung konsumierten die Aktionäre Älplermagronen beim Apéro. Viele schienen von den Appellen des UBS-Managements unbeeindruckt; einige fanden das Event etwas zu amerikanisch. Um das Parlament und eventuell das Stimmvolk von ihren Argumenten zu überzeugen, muss die UBS-Führung noch viel Aufklärungsarbeit leisten.