Die EU-Kommission setzt sich dafür ein, dass soziale Medienplattformen wie TikTok, Instagram und Facebook den Jugendschutz ernster nehmen müssen. Sie fordert eine strikte Altersverifikation der Nutzer mittels einer neu entwickelten App. Die Geschäftsmodelle dieser Plattformen basieren auf Werbeeinnahmen, die umso höher sind, je länger Nutzer online bleiben. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie sich bemühen, auch Kinder und Jugendliche langfristig zu binden. Die EU-Kommission und viele Mitgliedsländer sehen darin ein Problem und fordern Einschränkungen für die Nutzung durch Minderjährige. Bislang war es jedoch schwierig, Nutzer effektiv über ihr Alter hinweg zu verifizieren, ohne dass diese Plattformen Zugriff auf umfangreiche persönliche Daten erhielten. Die EU hat nun eine Lösung entwickelt: Eine Verifizierungs-App, die nach dem Zero-Knowledge-Proof Prinzip funktioniert. Ähnlich wie beim Kauf von Alkohol in einem 24-Stunden-Laden, wo der Ausweis vorgezeigt werden muss, erfordert diese App eine einmalige Altersverifikation mittels eines offiziellen Ausweises. Anschließend generiert die App ein Zertifikat, das lediglich bestätigt, ob der Nutzer unter oder über einer bestimmten Altersgrenze ist, ohne weitere Daten an die Plattform weiterzugeben. EU-Kommissarin Henna Virkkunen betonte bei der Vorstellung der App: «Wir akzeptieren es nicht länger, dass Plattformen auf Kosten unserer Kinder Gewinne erzielen». Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ergänzte, man wolle Kinder online genauso schützen wie offline. Trotz der Bereitstellung der App bleibt ein weiterer Weg zur Durchsetzung. Soziale Netzwerke, Nutzer und Mitgliedsländer müssen die App akzeptieren und nutzen. Die EU-Kommission ist zuversichtlich, dass dies geschehen wird, da soziale Plattformen laut dem Digital Services Act (DSA) verpflichtet sind, «angemessene Schutzmaßnahmen» für Minderjährige umzusetzen. Die EU sieht bisherige Bemühungen von TikTok, Instagram und Facebook als unzureichend an und hat entsprechende Verfahren eingeleitet. Die Plattformen argumentierten stets mit dem Mangel an verlässlichen Altersverifikationswerkzeugen. Mit der neuen App will die EU diesen Standpunkt ändern. Mindestens sieben Mitgliedsländer, darunter Frankreich und Italien, planen den Einsatz der App in naher Zukunft. Viele Regierungen drängen auf eine stärkere Regulierung sozialer Netzwerke, wobei einige Länder bereits Mindestalter für die Nutzung festgelegt haben – mit unterschiedlichen Altersgrenzen. Um einen regulatorischen Flickenteppich zu verhindern, hat von der Leyen eine Expertengruppe beauftragt, bis zum Sommer Vorschläge für ein EU-weit einheitliches Mindestalter auszuarbeiten. Diese Maßnahme könnte Diskussionen entfachen, da die Plattformen nicht gezwungen werden, ihre Designs anzupassen, sondern Nutzer zur Altersverifikation aufgerufen sind. Betroffen davon sind nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene und Schweizer, die in der EU über WLAN soziale Netzwerke nutzen. Auch Nutzer, die keine Spuren hinterlassen wollen, müssen sich möglicherweise ausweisen, was von einigen als lästig empfunden werden könnte. Dennoch sieht die Kommission dies im Interesse des Jugendschutzes als notwendig an.