Die Bundesrepublik ist bei der Erforschung der Kernfusion international führend und will nun die Industrie für das Projekt gewinnen. Trotz des Atomausstiegs nach Fukushima bleibt die neue Regierung unter Friedrich Merz dieser Linie treu, erkennt aber eine neue Chance in der Kernfusion. Im Koalitionsvertrag von 2025 wird festgelegt: “Der erste Fusionsreaktor soll in Deutschland gebaut werden.” Die Kernfusion verspricht klimafreundlichen und bezahlbaren Strom ohne langfristige radioaktive Abfälle, was auch skeptische Kreise überzeugt.
Die Bundesregierung signalisiert Ernsthaftigkeit durch die Förderung der Kernfusion als Schlüsseltechnologie. Der Aktionsplan Fusion von 2025 sieht Investitionen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung bis 2029 vor, ergänzt um 755 Millionen Euro für neue Forschungsinfrastrukturen und Technologiedemonstratoren, was fast 2,5 Milliarden Euro insgesamt ergibt.
Obwohl der politische Wille klar ist, betont Fusionsforscher Christian Linsmeier vom Forschungszentrum Jülich die Notwendigkeit industrieller Führung. Die Industrie reagiert positiv: Das 7. Forum Fusion Deutschland in Garching bei München zeigte großes Interesse an der Entwicklung von Komponenten für ein Fusionskraftwerk, darunter supraleitende Magnete und Hochleistungslaser.
Deutschland verfügt über wichtige Kompetenzen entlang der Wertschöpfungskette, aber die langfristigen Perspektiven stellen eine Herausforderung dar. Linsmeier betont, dass bereits in der Entwicklungsphase Aufträge an Zulieferer vergeben werden.
Deutsche Startups wie Proxima Fusion bilden Konsortien mit europäischen Firmen, um bis 2031 den Fusionsdemonstrator Alpha zu entwickeln. Ein Memorandum of Understanding sieht vor, dass ein Kraftwerk in Bayern gebaut wird. Gauss Fusion, von Industrieunternehmen gegründet, strebt direkt einen kommerziellen Betrieb an.
Das Bundesministerium für Forschung plant drei Hubs zur Förderung verschiedener Fusionsansätze und einer technologieoffenen Strategie. Pro Fusion schlägt vor, die Zuwendungen vom Erreichen von Meilensteinen abhängig zu machen. Günter Kraft von Focused Energy betont die Notwendigkeit, die Kommerzialisierung im Blick zu behalten und Deutschland als führend in der Industrialisierung der Kernfusion zu positionieren.