Die Freistellung des Eishockey-Nationaltrainers zieht weite Kreise, wobei der Kern der Diskussion oft übersehen wird: Sportsgeist und Teamgefüge. Die mediale Aufregung um Patrick Fischer hat sich in die Corona- und Impfdebatte eingeregt und ist politisch aufgeladen worden. In den sozialen Netzwerken spalten sich Meinungen, während Fischers Verfehlung von vielen verharmlost wird. Der Journalist, der über Fischers Fehlverhalten berichtete, steht unter Drohungen und eine Internetpetition fordert seine Rückkehr als Trainer. Dies alles geschieht einen Monat vor der Weltmeisterschaft in der Schweiz.
Die Entlassung von Patrick Fischer offenbart verschiedene Aspekte: einen Coach, der das Gespür für die Tragweite seiner Handlungen verloren hat; einen kommunikativ unbeholfenen Verband; gesellschaftliche Spaltung seit Beginn der Pandemie und die mediale Rolle. Im Kern der Causa Fischer wird über Schuld diskutiert, doch entscheidender ist Fischers Versagen als Führungsperson im Mannschaftssport.
Fischer reiste mit einem gefälschten Impfzertifikat zu den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking und gab später eine eigenwillige Darstellung seiner Motive ab. Er wollte das Team nicht verlassen, riskierte jedoch bewusst die Festnahme durch chinesische Behörden, was das gesamte Schweizer Eishockey-Team von den Spielen ausgeschlossen hätte.
Fischer akzeptierte das Risiko, dass 25 Spieler und viele weitere Staff-Mitglieder auf die Olympischen Spiele verzichten müssten – ein Höhepunkt jeder Sportlerkarriere. Er hat damit einen einmaligen Eklat provoziert.
Ein Teamgeist ist schwer zu definieren, aber er bildet das metaphysische Zentrum eines Teams. Die Kombination von unterschiedlichen Charakteren und Fähigkeiten entwickelt oft eine außergewöhnliche Dynamik. Der Trainer hält diese Gruppe zusammen und schützt die Spieler.
Mannschaftssport ist komplex; Hierarchien ändern sich, und die Konstitution eines Teams ist fragil. Die Garderobe symbolisiert den intimen Raum der Spieler, geprägt von Ritualen, Codes und Vertrauen. Übertritt jemand diese Grenzen, müssen Konsequenzen folgen. Fischer hat durch seine Handlungen dieses System untergraben.
Obwohl er stets streng in seiner Disziplin war, setzte er sein Ego über das Teaminteresse. Er riskierte die Gesundheit seiner Spieler und den Ruf der Schweizer Olympia-Delegation. Dass Fischer von impfkritischen Kreisen zum Helden stilisiert wird, ist vorhersehbar.
Die Entlassung Fischers war unumgänglich, besonders aus der Perspektive des Teams. Eine Weltmeisterschaft unter seiner Leitung wäre nicht denkbar gewesen – er hat das Vertrauen verspielt und gelogen. Die Spieler brauchen nun an der Heim-WM Unterstützung von jemandem, der sie unvoreingenommen führt.