Michael Schaepman, Rektor der größten Schweizer Hochschule, spricht sich entschieden dagegen aus, Studiengebühren zu erhöhen. Auch wenn der Bund dies fordert, hält er die aktuellen Kosten von 720 Franken pro Semester für willkürlich und plädiert dafür, sie niedrig zu halten. Seine Begründung: Das Schweizer System mit geringen Gebühren hat sich bewährt und sollte beibehalten werden. Höhere Studiengebühren könnten die Studiendauer verlängern, da Studierende mehr arbeiten müssten, um das zusätzliche Geld zu verdienen.
Die Debatte um Studiengebühren in der Schweiz gewinnt an Schärfe durch Sparprogramme des Bundes, die eine stärkere Nutzerfinanzierung vorsehen. Trotz Kürzungen durch das Parlament bleibt die Frage offen, wie finanzielle Lücken geschlossen werden sollen.
Schaepman argumentiert, dass hohe Gebühren nicht zwangsläufig zu kürzeren Studiendauern führen und betont den Nutzen der Absolventen für die Schweizer Wirtschaft. Er sieht das aktuelle Modell als erfolgreich an und warnt davor, durch höhere Kosten sozialen Aufstieg zu erschweren.
Die Frage nach der Finanzierung ausländischer Studierender bleibt zentral. Schaepman schlägt vor, statt Gebührenerhöhungen eine Arbeitsverpflichtung für Absolventen als Lösung in Betracht zu ziehen. Er betont die Wichtigkeit einer selektiven Zugänglichkeit zur Universität und lehnt ein „Alle-studieren“-Modell ab.
In puncto Sparpotenzial sieht er seine Universität bereits effizient aufgestellt: 85 Prozent der Mittel fließen direkt in Forschung und Lehre. Er zweifelt, ob Einsparungen durch Technologien wie Künstliche Intelligenz nennenswerte Fortschritte bringen könnten.
Persönlich hat Schaepman sein Studium eigenständig finanziert, indem er nebenher arbeitete. Dies führte zu einer längeren Studiendauer von sieben Jahren – eine Erfahrung, die er nicht missen möchte.