In ihrer Angst vor einem Parteiverbotsverfahren suchte die AfD einst die Nähe zu den USA. Heute jedoch distanziert sie sich im Kontext des Iran-Krieges stark von den Amerikanern, was langfristig negative Konsequenzen für die Partei haben könnte.
Tino Chrupalla, Co-Vorsitzender der AfD, spricht sich überraschend für eine Annäherung an China und Russland aus. Er präsentiert seine Partei als «Friedenspartei» und fordert den Abzug aller US-Truppen von Deutschland, was das Land potenziell verwundbar machen würde. Chrupalla unterstellt zudem den USA, dass deren Handlungen seit dem «War on Terror» nur auf die Kontrolle über Öl- und Wirtschaftsinteressen abzielten.
Derartige Äusserungen sind nicht isoliert zu betrachten; Antiamerikanismus hat innerhalb der AfD Konjunktur. Auch Co-Chefin Alice Weidel, bekannt für gute Verbindungen in die USA, lehnt Kontakte dort ab und stoppte eine Initiative ihres Parteikollegen Hannes Gnauck zur Sicherung der Strasse von Hormuz.
Diese Entwicklung zeigt, dass das Bündnis mit den USA nie ernsthaft gemeint war. Nach einem entlastenden Beschluss des Verwaltungsgerichts Köln wendet sich die AfD nun wieder ab – eine taktische Entscheidung ohne langfristige Perspektive.
Erstens verliert die AfD die Chance, sich als pragmatischer Partner der Republikaner zu positionieren. Zweitens blockiert sie damit jede Hoffnung auf Regierungsbeteiligung auf Bundesebene. Drittens schränkt sie ihren Einfluss im bevölkerungsstärkeren Westdeutschland ein, wo die Mehrheit den USA als Verbündeten beibehalten möchte.
Kurzfristig mag der antiamerikanische Kurs bei Wahlen punkten, doch langfristig könnte dies die AfD in die Opposition verdammen und von ihrer selbst gewählten Rolle einer bürgerlichen Alternative entfernen.