1995 endet ein Tarom-Flug von Bukarest nach Brüssel tragisch nur 89 Sekunden nach dem Abheben. Der Airbus A310 stürzt wegen einer unerkannten Schubasymmetrie und der möglichen plötzlichen Todesursache des Kapitäns ab. An diesem verschneiten Morgen im März herrschen starke Turbulenzen, was die Bedingungen erschwert.
Auf dem Flughafen Otopeni steigen 49 Passagiere an Bord der fast leeren Maschine, die eigentlich bis zu 209 Personen fassen könnte. Im Cockpit sitzt Kapitän Liviu Batanoiu, ein erfahrener Pilot mit über 14.000 Flugstunden auf sechs verschiedenen Typen. Sein Co-Pilot Ionel Stoi, der seine Karriere größtenteils auf sowjetischen Jets verbracht hat, wird die Steuerung übernehmen.
Batanoiu kündigt an, während des Steigflugs die Schubhebel zu überwachen, eine Aufgabe von entscheidender Bedeutung. Der Airbus hebt um 9:07 Uhr ab und steigt schnell in die Wolken auf. Stoi fliegt nach Instrumenten, da er kaum etwas sieht. Nach dem Abheben gibt es eine Kursänderung, wofür Batanoiu seine Hand von den Schubhebeln nehmen muss.
Ein technischer Fehler tritt auf: Der linke Schubhebel fährt zurück, während der rechte weiterhin hohe Leistung liefert. Diese asymmetrische Triebwerksleistung bleibt unbemerkt. Stoi konzentriert sich auf die primären Instrumente und verlässt sich darauf, dass Batanoiu den Schub überwacht. Doch als Batanoiu seine Hand vom Hebel nimmt, um das Flugmanagementsystem zu bedienen, geschieht nichts.
Die ungleiche Triebwerksleistung führt zur starken Seitenneigung nach links, die unbemerkt zunimmt. Trotz Stois Anweisung zur Einfahrt der Landeklappen und Vorflügel reagiert Batanoiu nicht mehr. Nach einer Pause von vier Sekunden fragt Stoi auf Rumänisch nach dem Zustand des Kapitäns, erhält aber nur ein stöhnendes Geräusch als Antwort.
Der Airbus hat zu diesem Zeitpunkt eine hohe Querneigung und steigt kaum noch an. Stois Versuche, die Maschine zu fliegen und Batanoiu anzusprechen, scheinen erfolglos. Nach dem Aktivieren des Autopiloten und einem Warnton verstärkt sich die Seitenneigung weiter.
In der dramatischen Situation erkennt Stoi das Problem mit der Schubautomatik zu spät. Der A310 gerät in einen Sturzflug und stürzt nur 89 Sekunden nach dem Start ab, wobei alle an Bord sterben.
Der Abschlussbericht der rumänischen Zivilluftfahrtbehörde von September 2000 identifiziert drei Hauptursachen: die Schubasymmetrie, den plötzlichen Zusammenbruch des Kapitäns und die verspätete Reaktion des Co-Piloten. Airbus war sich der Asymmetriefehler bewusst, empfahl jedoch keine verbindlichen Abhilfemaßnahmen.
Die französische Unfalluntersuchungsbehörde BEA weist darauf hin, dass Stoi aufgrund seiner langjährigen Erfahrung mit sowjetischen Instrumenten möglicherweise reflexartig falsche Steuerungen vornahm. Eine ähnliche Situation ereignete sich sechs Monate vor diesem Unfall bei einem anderen Tarom-A310 in Paris.