Leerverkäufe werden häufig als Indikator für fallende Aktienkurse gesehen. Das Finanzmagazin «The Market» beleuchtet, welche deutschen Aktien aktuell im Visier der Short-Seller stehen. Porsche zieht dabei die meisten Wetten auf Kursrückgänge an, während auch andere Titel vermehrt unter Druck geraten.
Der Trend setzt sich fort: Seit Jahresbeginn ist das Volumen von Wetten gegen deutsche Aktien signifikant angestiegen. Im Dezember lag es noch bei rund 22 Milliarden Dollar und erreichte Anfang April bereits über 36 Milliarden Dollar – ein Niveau, das seit fast drei Jahren nicht mehr verzeichnet wurde. Zahlen des amerikanischen Datenanbieters S3 Partners belegen dies; im Juli 2023 stieg das Volumen sogar auf rund 38 Milliarden Dollar.
Leerverkäufer spekulieren darauf, dass Aktienpreise fallen werden. Sie leihen sich dazu Aktien aus, verkaufen diese und hoffen, sie später zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen, um Gewinne zu erzielen (für eine Übersicht der größten Short-Positionen gegen Schweizer Aktien klicken Sie hier).
Der Anstieg seit Jahresbeginn ist kein Zufall. Der Januar war ein schwieriger Start ins neue Börsenjahr, geprägt durch Zollthemen und die Grönland-Krise, als US-Präsident Donald Trump mit der Annexion drohte.
Seit März belastet der Iran-Krieg die Märkte. Die Blockade der Straße von Hormuz erhöht die Ölpreise und verstärkt Inflationssorgen sowie Rezessionsängste – ein Phänomen bekannt als Stagflation. Ob der Waffenstillstand Erleichterung bringt, bleibt ungewiss.
Warum sind Aktien mit hohen Short-Positionen interessant zu beobachten?
Hohe Short-Quoten können auf anhaltenden Druck auf den Kurs hinweisen und bergen das Potenzial für einen sogenannten Short-Squeeze – einen raschen Anstieg des Kurses, wenn Leerverkäufer ihre Positionen durch hektische Rückkäufe schließen müssen. Dies kann zu einem selbstverstärkenden Kaufdruck führen.
Im DAX bleibt Brenntag die Aktie mit der größten Short-Position unter den Blue Chips. Die Ausleihquote stieg seit der letzten Erhebung vor zwei Monaten von 8,5 auf knapp 12 Prozent. Wie viele Titel aus dem Chemiesektor legte das Papier des Chemikalien-Distributors im März deutlich zu, getrieben unter anderem durch EU-Pläne zur Stärkung der heimischen Industrie und Hoffnungen auf eine Reform des Emissionshandels.
Beiersdorf verzeichnete einen starken Anstieg bei den ausgeliehenen Aktien – von 6,6 auf knapp 11 Prozent. Der Konsumgüterhersteller überraschte Anfang März mit seiner Geschäftszahlenpräsentation und rechnet für 2026 nur mit einer flachen bis leicht wachsenden Umsatzentwicklung. Die Marke Nivea wird zum Problemkind.
Fresenius Medical Care zieht zunehmendes Interesse auf sich, die Ausleihquote stieg von 3,5 auf knapp 6 Prozent. Das US-Geschäft der ehemaligen Dialysetochter stagniert mit der Zahl der Behandlungen, wobei das Management das Jahr 2026 als Übergangsjahr bezeichnete.
Die Short-Quote stieg leicht bei Symrise an, während Henkel neu in die Top Ten des DAX aufstieg. Bei Qiagen, Zalando und Daimler Truck dagegen gingen die Wetten zurück; Mercedes-Benz Group ist nicht mehr in der Rangliste enthalten.
Porsche führt erstmals im Gesamtmarkt die Liste der am meisten leerverkauften Aktien an. Eine vollständige Auflistung mit Titeln aus MDAX und SDAX finden Sie bei«The Market NZZ».