Seit Beginn des über einen Monat andauernden Konflikts im Nahen Osten, ausgelöst durch Angriffe der USA und Israels auf den Iran, haben sich die Spannungen regional stark verschärft. Der Iran hat Vergeltungsschläge geflogen, und der Konflikt hat sich auf angrenzende Länder wie die Golfstaaten und den Irak ausgeweitet, wo US-Stützpunkte existieren. Zudem greift Israel Hisbollah-Ziele im Libanon an und die pro-iranische Huthi-Miliz im Jemen attackiert israelische Interessen.
Die globalen Auswirkungen sind bereits spürbar, insbesondere durch steigende Energiepreise. Der Iran kontrolliert derzeit die strategisch wichtige Straße von Hormus, während die Huthis Bedrohungen in der Meerenge Bab-el-Mandab aussprechen. Beide Seiten beschädigen gelegentlich Öl- und Gasanlagen, was den Preis für Energie erhöht.
In der Schweiz spürt man dies durch gestiegene Kosten beim Tanken und höhere Treibstoffabgaben bei Flugtickets. Laurent Horvath, ein Energieexperte, betont gegenüber Nau.ch: «Öl und Erdgas sind entscheidende Hebel in diesem Konflikt.» Trotz der Gefahren für die Weltwirtschaft seien Angriffe auf Ölanlagen selten.
Hans Gersbach von der ETH Zürich skizzierte zwei mögliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Bleibt der Ölpreis bei 90 US-Dollar pro Barrel, würde das Schweizer BIP um 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte sinken und den Bürgern rund 200 bis 400 Franken jährlich entgehen. Die Inflation könnte in den nächsten Jahren um etwa 0,3 bis 0,5 Prozent ansteigen.
Sollte der Ölpreis auf 105 US-Dollar pro Barrel steigen, wäre das BIP um 0,5 bis 0,8 Prozentpunkte niedriger, was zu einem Einkommensverlust von 500 bis 750 Franken pro Person führt. Gersbach warnt vor einer deutlichen Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und steigender Inflation.
Laurent Horvath erklärt weiter: «Öl ist das wichtigste Schmiermittel für Transporte, und höhere Preise treiben die Inflation an.» Die Kerosinpreise sind nahezu verdoppelt und auch Diesel wird teurer.
«Ein Ölpreis von über 100 Dollar pro Barrel hat in der Vergangenheit die Weltwirtschaft destabilisiert», so Horvath, mit Verweis auf das Jahr 2008 und den Preis von 147 US-Dollar pro Barrel. Gersbach betont: «Es kommt nun darauf an, ob eine Stabilisierung im Persischen Golf eintritt.
Bei einer Verschlechterung der Lage könnten erhebliche negative Effekte auf die Weltwirtschaft eintreten, insbesondere durch höhere Energiepreise und Unsicherheit für Handel und Produktion.»
Avenergy Suisse beobachtet seit drei Wochen steigende Preise an den Zapfsäulen aufgrund von Angriffen auf Ölanlagen oder Versorgungswege, was zu höheren Rohölpreisen führt.
In der Schweiz ist jedoch kein Engpass bei Mineralölerzeugnissen zu verzeichnen. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) bestätigt dies und merkt an, dass bei einem Mangel ein Pflichtlager freigegeben werden könnte. Dank dieser Lager könnten 4,5 Monate Bedarf gedeckt werden, sollten keine Lieferungen mehr möglich sein.