Andri Ljubka, ein bekannter ukrainischer Autor und Familienvater, hat sich im Januar dieses Jahres freiwillig der Armee angeschlossen. Er begründet diesen Schritt mit seinem Gewissen, das ihn dazu zwang, nicht länger am Krieg vorbeizuschauen – wobei ihm bewusst ist, dass als Alternative nur Tod oder schwere Verletzungen blieben.
Ljubka berichtet von den unterschiedlichen Perspektiven seiner Freunde im Ausland und in der Ukraine: Während ersteren die Bedrohung des Krieges abstrakt erscheint, ist für Ukrainer der Konflikt allgegenwärtig und prägt ihr gesamtes Leben. Seine europäischen Bekannten argumentierten, dass seine Rolle als Schriftsteller und kultureller Botschafter nützlicher sei als eine Frontposition. In den Jahren seit dem Kriegsausbruch hat Ljubka zahlreiche Texte verfasst und Auftritte absolviert, um das internationale Bewusstsein für die Lage in der Ukraine zu schärfen und Spenden gesammelt – insgesamt genug Geld, um 415 Geländewagen für die Armee zu kaufen.
Warum er sich dennoch entschied, erst jetzt zur Armee zu gehen? Ljubka erklärt, dass er anfangs glaubte, als Schriftsteller einen größeren Beitrag leisten zu können. Die Erwartung, dass der damalige US-Präsident Trump den Konflikt beenden könnte, hat sich nicht bewahrheitet.
Ein persönlicher Grund war zudem seine jüngere Tochter, die kürzlich in den Kindergarten kam und damit das Leben seiner Frau etwas erleichterte. Ljubka thematisiert die oft übersehene Belastung von Frauen, die allein mit zwei kleinen Kindern auskommen müssen.
Seit Beginn des Konflikts spürt er ein schlechtes Gewissen als Zivilist: Es störte ihn peinlich zu sein, während andere ihr Leben für seine Sicherheit riskierten. Er sah eine zunehmende gesellschaftliche Spaltung in der Ukraine und empfand die Ungleichheiten im Militärdienst als ungerecht.
Durch den Mangel an Personal ist es kaum möglich, Soldaten nach einigen Jahren zu entlassen – was bedeutet, dass die Alternative oft nur Tod oder schwere Verletzungen sind. Für Ljubka war es beschämend, im Hinterland jung und gesund zu bleiben, während andere kämpften.
Er wollte auch seiner älteren Tochter ein gutes Vorbild sein, bevor sie fragt: „Papa, die Väter meiner Klassenkameraden sind im Krieg. Warum bist du nicht?“
Ljubka ist überzeugt, dass der Krieg noch lange dauern wird und dass er freiwillig dienen möchte, um dies auf seine Weise zu tun. Als Freiwilliger kann man in der Ukraine die eigene Einheit wählen.
Er fand Sicherheit darin, selbst für sich sorgen zu können. Die Ausbildung begann mit einer Grundausbildung, die körperliche Anpassung und Waffenumgang umfasste, sowie moderne Kriegsstrategien, wie der Umgang mit Kleindrohnen.
Schließlich entschied er sich für den Dienst bei den unbemannten Systemen. Seine größte Sorge ist nun die mögliche Entfremdung von seiner Familie durch den Krieg und seine Abwesenheit.
Obwohl Ljubka seine Entscheidung meistens nicht bereut, wird ihm manchmal die Einsamkeit bewusst – besonders an einem Tag, als ihm für einen einfachen Kauf eine ältere Frau mit Dankbarkeitsworten begegnete. Seine Familie lebt in Uschhorod im Westen der Ukraine.