Im Barockzeitalter mussten niederländische Künstlerinnen ungewöhnliche Wege beschreiten, um sich gegen die männliche Konkurrenz zu behaupten. So spottete Gerard de Lairesse 1707 über die Blumenmalerei als angeblich ‘feminine’ Disziplin – eine Ansicht, der eine aktuelle Ausstellung in Gent widerspricht. Sie zeigt, wie Künstlerinnen des 17. Jahrhunderts sich nicht auf florale Nischen beschränkten.
Maria van Oosterwijck etwa malte 1668 ein Vanitas-Stillleben mit Totenschädel und welkenden Blumen, die an das Ende allen Irdischen erinnern. Ihr Werk enthält zudem einen Himmelsglobus, der damals für die Erkenntnissuche stand, aber auch vor dem Eitlen des Wissens gegenüber Gott warnte. Das Bild verfügt über ein Miniatur-Selbstporträt in einer Glaskaraffe – eine visuelle Signatur, die Traditionen von Jan van Eyck fortführt und ihre Meisterschaft unterstreicht.
Ihr Werk markierte den internationalen Durchbruch der Künstlerin, indem sie es Kaiser Leopold I. verkaufte. Das Gemälde ist nun Teil einer Ausstellung im Museum der Schönen Künste in Gent (MSK Gent), die Werke von über 40 Barockkünstlerinnen aus dem heutigen Belgien und den Niederlanden zeigt. Die Ausstellung “Unvergesslich. Künstlerinnen von Antwerpen bis Amsterdam, 1600–1750” erlangte zuerst im National Museum of Women in the Arts in Washington (DC) Anerkennung.
Neben bekannten Namen wie Clara Peeters und Rachel Ruysch werden auch weniger berühmte Künstlerinnen wie Catrina Tieling, Josina Margareta Weenix oder Johanna Koerten präsentiert. Letztere erhielt über 4000 Gulden für ihre Seidenscherenschnitte von Kaiserin Eleonore Magdalene Therese – mehr als das Doppelte dessen, was Rembrandt für “Die Nachtwache” bekam.
Das MSK Gent verzichtet bewusst darauf, den Fokus auf wenige Künstlerinnen zu legen und präsentiert stattdessen eine Vielfalt an Kunsthandwerk. Neben Malerei werden auch Stickereien oder Scherenschnitte gezeigt. Maria van Oosterwijck betont in einem Porträt von Wallerant Vaillant (1671) die Wichtigkeit von Bildung und frommer Gelehrsamkeit neben ihrer Maltechnik.
Ein bedeutendes Karriererisiko für Künstlerinnen war damals die Heirat, da Haushalt und Kindererziehung Vorrang erhielten. Einige wählten den Weg der “filiae devotae”, unverheiratete Frauen, die ein zurückgezogenes Leben führten. Sie nutzten ihre Position strategisch: Catarina Ykens II. versteckte christliche Botschaften in ihren Blumenstillleben, während Johanna Vergouwen einen barocken Copy-Shop betrieb und Susanna Forchondt als Geschäftsfrau brillierte.
Die Ausstellung endet am 31. Mai im MSK Gent.