In unserer heutigen digital geprägten Welt ist es kaum noch üblich, mit Bargeld zu bezahlen. Die Vorstellung, seinem Kind einen Fünfliber in die Hand zu drücken, wirkt fast anachronistisch, wenn digitale Zahlungsmethoden überall zum Einsatz kommen.
Tanja Eder studierte Wirtschafts- und Politikwissenschaften in Zürich und Genf und arbeitete am Schweizer Finanzplatz. Seit 2022 ist sie bei der SRF-Digitalredaktion tätig, wo sie sich mit den ökonomischen, geopolitischen und sozialen Aspekten der Digitalisierung, Cybersecurity sowie Games beschäftigt.
Obwohl digitales Bezahlen omnipräsent ist, sollten Kinder zunächst physisches Geld kennenlernen, bevor sie auf digitale Methoden umsteigen. Münzen helfen Kindern dabei besser als abstrakte Konzepte. Die Budgetberatung Schweiz rät dazu, ein eigenes Bankkonto erst in der Oberstufe zu eröffnen.
Der bekannte YouTube-Star MrBeast hat mit seinen Geldgeschenken-Videos sein Vermögen gemacht und verfügt nun über ein Imperium inklusive einer Banking-App für Kinder. Seine Neobank “Step” erfordert keine Mindestaltergrenze, benötigt jedoch die Zustimmung der Eltern und ist nur in den USA zugänglich. Ein Kernanliegen von “Step” ist es, dass Kids einen starken Kreditscore aufbauen können. Dies steht im Gegensatz zur Schweiz, wo das Thema Kreditscores für Kinder keine Rolle spielt; hier liegt der Fokus auf dem Sparen.
Die meisten Banken bieten Jugendkonten mit Apps ab 10 oder 12 Jahren an, einige sogar kostenlos. Die UBS hat bereits ein Kinderkonto ab sechs Jahren im Angebot. Unabhängige Konten für junge Nutzer gibt es bei Neobanken wie “Yuh” erst ab 14 Jahren.
Neobanken legen besonderen Wert auf ihre Apps, die durch reibungslose digitale Prozesse und modernes Design auffallen. Die Schweizer Marktführerin Yuh gehört zu Swissquote und richtet sich mit ihrem Angebot Yuh 14+ an Jugendliche. CEO Jan de Schepper betont das Ziel, dass junge Menschen ein Gefühl für Geld entwickeln.
Mit dem Jugendkonto können Nutzer sparen und bezahlen, jedoch nicht investieren oder Kredite aufnehmen. Yuh verzichtet zudem auf Anreizsysteme wie Punkte, um übermäßiges Konsumverhalten zu vermeiden.
Philipp Frei von der Budgetberatung Schweiz sieht Jugendkonten der Schweizer Banken positiv: “Es gibt ernsthafte Bemühungen, Kindern und Jugendlichen finanzielle Grundlagen beizubringen.”
Banking-Apps sind generell sicher. Kinder- und Jugendkonten bieten zusätzliche Sicherheitsfeatures wie das Verhindern von Minusguthaben. Cyberhygiene bleibt jedoch essenziell: starke Passwörter verwenden und auf dubiose Links verzichten.
Eltern sollten ihre Kinder bei den ersten Schritten ins digitale Banking begleiten, gemeinsam Funktionen der App erkunden und beispielsweise Budgets erstellen oder Limiten setzen. Laut der Budgetberatung Schweiz ist es wichtig, dass Kinder selbständig Entscheidungen treffen und Fehler machen dürfen.
Mit dem 18. Geburtstag verschiebt sich die Verantwortung von Schutz zu Selbstständigkeit. Je mehr Verantwortung Jugendliche früher übernehmen lernen, desto besser. Dennoch sind junge Erwachsene anfällig für Spielsucht und werden auf sozialen Medien mit riskanten Anlagestrategien wie Kryptowährungen oder Daytrading konfrontiert, die im Schnitt zu Verlusten führen.