Am 27. April 1975 versammelten sich etwa 30.000 Menschen im Hafen von Vancouver, um die Crew der „Phyllis Cormack“ zu verabschieden. Der klapprige Holzfischkutter aus dem Jahr 1941 hatte dreizehn Freiwillige an Bord und war Teil des Greenpeace-Projekts „Ahab“. Die Umweltorganisation, gegründet vier Jahre zuvor, setzte sich bis dahin vor allem gegen Atomtests ein. Bob Hunter, Mitgründer von Greenpeace, verkündete damals: „Sollten Russland und Japan den Walfang fortsetzen, dann nur über unsere Leichen!“ Das Motto „Save the Whales“, zu Deutsch „Rettet die Wale“, wurde zur zentralen Parole der Umweltbewegung für die nächsten Jahrzehnte. Ein Auslöser dieser Bewegung war 1970 die Schallplatte „Songs of the Humpback Whale“ von Bioakustiker Roger Payne, das bis heute einzige zoologische Album mit Platin-Auszeichnungen. Die Aufnahme vermittelte den Walen eine neue Wahrnehmung als intelligente Wesen. Zu dieser Zeit standen Buckelwale und andere Großwale kurz vor der Ausrottung. Schon seit Jahrtausenden jagt der Mensch diese Meeresriesen. Im 12. Jahrhundert wurden die Basken zur ersten Walfangnation, wobei sie den Nordkaper wegen seiner Eigenschaften bevorzugten. Mit dem Übergang von Handfischen zu industriellen Methoden im 19. und frühen 20. Jahrhundert verschärfte sich der Druck auf die Walpopulationen dramatisch. In den Südpolarmeeren wurden bis 1916 nahezu alle Buckelwale erlegt, nur wenige hundert überlebten das Schlachten. Mit dem Walfangbooms und der zunehmenden Industrialisierung gingen viele Walarten rapide zurück. Doch die Greenpeace-Aktionen in den 1970er Jahren spielten eine entscheidende Rolle bei der Sensibilisierung für den Schutz von Wale. Die Internationale Walfangkommission (IWC) wurde 1946 ins Leben gerufen und erließ 1963 ein Verbot des Buckelwalfangs südlich des Äquators. Ein bedeutender Wendepunkt war das internationale Walfangmoratorium von 1986, welches bis heute besteht. Obwohl einige Länder Ausnahmegenehmigungen haben, konnten viele Walarten sich erholen. Der Meeresbiologe Ryan Reisinger betont: „Die Erholung der Walbestände ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte im Artenschutz.“ Heute nutzen Forscher Methoden wie Transektlinien und Fotoidentifikation, um die Bestandszahlen zu ermitteln. Die Buckelwale zeigen ein starkes Comeback: Ihre Populationen haben sich fast auf das Niveau des 19. Jahrhunderts erholt. Der Blauwal hat ebenfalls eine positive Entwicklung erlebt, obwohl seine Zahlen nur ein Bruchteil der historischen Bestände darstellen. Heutige Bedrohungen für Wale sind maritimer Unrat und Schiffskollisionen sowie Konkurrenz um Krill, eine wichtige Nahrungsquelle. Trotzdem zeigt die Erfolgsgeschichte des Walschutzes, dass internationale Zusammenarbeit erhebliche Fortschritte bringen kann.