Ruedi Noser, der frühere Ständerat aus Zürich, hinterfragt die Ausrichtung der Landesregierung und stellt eine kritische Frage, die viele im Stillen stellen. Wenn SP-Co-Präsident Cédric Wermuth von einer «Viererbande» spricht, erinnert dies historisch fälschlicherweise an Mao Zedongs Mitstreiter; dennoch dient der Begriff rhetorisch als treffendes Schlagwort. Auch sein Vorgänger Christian Levrat benutzte diese Bezeichnung häufig, um zu verdeutlichen, dass die SVP- und FDP-Mitglieder im Bundeshaus ihre Mehrheit ausnutzen würden. Die tiefen bürgerlichen Wurzeln der Schweiz sind bekannt; sie überstand die 1848er Revolutionen und etablierte sich als moderner Bundesstaat mit einer liberalen Verfassung. Das Eisenbahngesetz von 1852 legte den Grundstein für wirtschaftliche Entwicklung, indem es Privaten den Bau des Schienennetzes erlaubte. Dies führte zu Infrastrukturprojekten und einem blühenden Wirtschaftsstandort. Die liberale Politik brachte Wohlstand und Stabilität, was von einem Bundesrat mit vier bürgerlichen Mitgliedern gewürdigt werden sollte. Doch Noser kritisiert in der NZZ und im “Sonntags-Blick” das Fehlen einer klaren Strategie für den Standort Schweiz. Beispielsweise führte die Schweiz die OECD-Mindeststeuer ein, während Konkurrenten wie USA oder China noch überlegten. Das Lieferkettengesetz geht weit über EU-Regeln hinaus. Finanzministerin Ueli Maurer streitet öffentlich mit der UBS, und Justizminister Alain Berset präsentiert einen umstrittenen Vorschlag zur Verschärfung von Lex Koller. Noser resümiert: Die Schweiz versucht, EU-Regulierungen zu übernehmen und sie noch weiter zu verschärfen. Er kritisiert, dass NGOs heutzutage mehr Einfluss als die Wirtschaft haben. Seine Kritik wirft zwei wichtige Fragen auf: Warum konnten mächtige Wirtschaftsverbände nicht verhindern, was sie wollten? Und wie bürgerlich sind die vier Bürgerlichen im Bundesrat tatsächlich? Die sogenannte Viererbande existiert kaum noch; einzelne Mitglieder agieren zu oft gegen das kollektive Interesse zur Freude der Linken.