Die Feierlichkeiten zur Ehrung von Elizabeth II., die am Dienstag ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte, bieten König Charles III. eine Gelegenheit, sich im Glanz seiner Mutter zu präsentieren und zugleich von den politischen Problemen abzulenken.
Zwei Bilder Großbritanniens zeichnen sich ab: Das alltägliche Land mit wirtschaftlichen Herausforderungen und einer Serie an Krisen, vertreten durch Premierminister Keir Starmer. Er musste am Montag im Parlament aufgrund von Peter Mandelsons umstrittener Ernennung zum Botschafter in Washington rechtfertigen.
Im Gegensatz dazu steht das Vereinigte Königreich mit seiner ruhmreichen Geschichte, verkörpert durch Queen Elizabeth II. Am Dienstag wäre sie 100 Jahre alt geworden. Die festlichen Veranstaltungen erlauben es der Nation, ihre glorreiche Vergangenheit zu erinnern und im Licht des verlorenen Empire zu schwelgen.
Das ist besonders wichtig, da die Unterstützung für die Monarchie schwindet. Charles III. kann nicht mit der Popularität seiner Mutter konkurrieren, die 70 Jahre regierte – eine Rekordlänge auf dem Thron. Durch das Gedenken an sie profitiert er von ihrem bleibenden Ruhm.
Zumindest für einen Tag wird vom umstrittenen Verhalten von Prinz Andrew abgesehen, der sich nicht mehr als Prinz bezeichnen darf. Obwohl in den letzten Wochen diskutiert wurde, dass die Queen über Andrews Affären wusste und schwieg, soll an ihrem Geburtstag darüber hinweggesehen werden. Auch die Auseinandersetzung von Prinz Harry und Meghan mit dem Königshaus ruht für einen Tag.
Die nationale Aufmerksamkeit gilt dem Vermächtnis der Queen. Charles III. wird eine bewegende Rede halten, begleitet von einer Video-Montage aus emotionalen Momenten ihres Lebens, wie Medien berichten.
Der Monarch und Königin Camilla werden das Design für das National Queen-Memorial im St. James’s Park in London besuchen, entworfen vom Stararchitekten Norman Foster. Es beinhaltet eine gläserne Brücke, die an die Hochzeitstiar der Königin erinnert, und zwei Denkmäler: eines zeigt sie zu Pferd, das andere mit ihrem Gatten Philip. Das Projekt stößt auf Kritik wegen seiner opulenten Gestaltung.
Charles wird außerdem verkünden, dass Historikerin Anna Keay die offizielle Biografie der Queen verfasst. Dies ist bemerkenswert, da es sich um eine junge Frau handelt und sie Zugang zu bislang geheim gehaltenen Dokumenten erhalten könnte. Skandalöse Enthüllungen werden jedoch nicht erwartet.
Der «Telegraph» berichtete, dass die Biografie in chronologischen Bänden erscheinen soll, um potentiell kontroverse Themen zu einem späteren Zeitpunkt zu behandeln.
Ein weiteres Highlight ist die Gründung des Queen Elizabeth Trusts durch den König, der sich an ihrem Motto «Jeder ist ein Nachbar» orientiert und öffentliche Plätze fördern soll. Die Regierung steuert 42 Millionen Franken bei.
Prinzessin Anne eröffnet ebenfalls einen Garten zu Ehren ihrer Mutter im Regent’s Park, dessen Wege die Treue der Königin symbolisieren sollen.
Ein Empfang findet später im Buckingham-Palast statt, wo Geburtstagskarten an Gäste verteilt werden, die ebenfalls ihren 100. Geburtstag feiern.