Das 79. Locarno Film Festival hat die US-amerikanische Künstlerin Cindy Sherman mit der Gestaltung seines offiziellen Plakats beauftragt, wie am Mittwoch angekündigt wurde. Das Motiv spielt geschickt mit Glamour und Verborgenheit sowie Offenbarung und Täuschung. Dargestellt ist ein schwarz-weißes Porträt einer Frau, deren Blick nach oben gerichtet ist; ihr Gesicht wird von einem gelb-schwarzen Leopardenmuster-Schal umhüllt, der nur das Gesicht und den Hals freilässt.
Dieses Plakat markiert die Eröffnung des Festivals vom 5. bis 15. August. Sherman hat diese Arbeit speziell für das Festival geschaffen. Das Locarno Film Festival hob in seiner Mitteilung hervor, dass Sherms Fotografien untersuchen, wie Bildkultur stereotype Darstellungen von Frauen verbreitet.
Maja Hoffmann, die Präsidentin des Festivals, zitierte Sherman als eine Künstlerin, die unsere Wahrnehmung der Welt verändert hat, indem sie die Kamera nicht zur Dokumentation der Realität nutzt, sondern um zu zeigen, wie Identität inszeniert und durch Kultur geformt wird. Der künstlerische Leiter Giona A. Nazzaro beschrieb Sherms “ekstatischen Blick” als Vermittlung einer intensiven Spannung zwischen Widerstandsfähigkeit und Schönheit, eine Dynamik, die über das Bild selbst hinausgeht.
International bekannt für ihre Auseinandersetzung mit Identität, Rollenbildern und Körperlichkeit, wurde Sherman 1999 von der Zeitschrift “ArtNews” zu den zehn besten lebenden Künstlern gezählt. Ihre Fotografien gehören zu den wertvollsten im Kunstmarkt, mit Preisen um die drei Millionen Dollar.
Internationale Ausstellungen ihrer Werke finden in renommierten Museen statt, darunter das Museum of Modern Art in New York, die National Portrait Gallery in London, die Fondation Louis Vuitton in Paris und die Deichtorhallen in Hamburg. 2014 wurden ihre Arbeiten im Kunsthaus Zürich unter dem Titel “Cindy Sherman: Untitled Horrors” präsentiert.