Der Schleppverband mit dem seit Wochen an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwal macht sich auf den Weg nach Norden. Nach Angaben des Schiffsnachverfolgungsdienstes VesselFinder befand er sich am Morgen etwa sechs Seemeilen südöstlich von Fehmarn und bewegte sich mit «sehr langsamer Geschwindigkeit» in Richtung der Insel, wie ein Sprecher der Wasserschutzpolizei berichtete. Die geplante Route führt um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak zur Nordsee, wo der Wal freigelassen werden soll.
Der Schlepper «Robin Hood» übernahm am Dienstagabend die Barge mit dem Wal nahe der Kirchseemitte der Insel Poel. Von dort aus fuhr er zusammen mit dem mit Wasser gefüllten Lastkahn in Richtung Wismarbucht und weiter hinaus auf die offene Ostsee. Zuvor war der an Land feststeckende Meeressäuger durch eine eigens dafür geschaffene 100 Meter lange Rinne zur Barge gebracht worden.
Das Einladen des Tiers in die Barge dauerte mehrere Stunden, wobei Rettungskräfte den Wal mit Gurten zum Lastkahn zogen. Gegen 14:45 Uhr war das Tier schließlich im abgesenkten Kahn untergebracht. Umweltminister Till Backhaus äußerte im Hafen von Kirchdorf Erleichterung: «Mir fällt wirklich ein Stein vom Herzen», sagte er und gestand, auf dem Schiff geweint zu haben. Nach der Operation fielen sich die Mitglieder der privaten Rettungsgruppe in die Arme.
Die etwa dreieinhalb Tage dauernde Fahrt zur Nordsee ist geplant. Doch ob das Überleben des Wals gesichert ist, bleibt ungewiss: Experten vom Meeresmuseum hatten vor dem Transport gewarnt und den verschlechterten Allgemeinzustand des Tieres hervorgehoben. Die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien gering und mit erheblichen Verletzungsrisiken verbunden, so die Forscher.
Die Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDC warnte davor, dass der Stress durch die ungewohnte Situation den Wal zusätzlich belasten könnte. Backhaus betonte, dass es sich bei dem Tier um ein Wildtier handele, dessen Reaktionen schwer vorhersehbar seien. Der Gesundheitszustand sei jedoch gut, die Atmung tief und ohne Auffälligkeiten.
Der Buckelwal war Anfang März erstmals in Küstennähe gesichtet worden, zunächst im Wismarer Hafen. Am 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein und gelangte danach wieder ins flache Wasser, um anschließend zurück nach Wismar zu schwimmen. Letztlich blieb er jedoch in der Kirchsee auf Poel stecken, wo er sich später wieder freischwamm, aber am Ausgang der Bucht erneut strandete.
Trotz Warnungen entschied Backhaus Mitte April, die Versuche einer privaten Initiative zu unterstützen. Diese wird neben Unternehmerin Karin Walter-Mommert auch vom Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziell unterstützt und hat den Lastkahn bereitgestellt.
SRF 4 News, 20.4.2026, 9 Uhr; dpa/fann/zero/wilh/stol