In Crans-Montana fällt erneut Schnee, während die Schneefräsen ihre Arbeit verrichten. Kurz vor dem Saisonende scheint alles wie gewohnt, doch diese Oberflächlichkeit täuscht. Vor drei Monaten ereignete sich eine verheerende Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation», bei der 41 Menschen ihr Leben verloren und über 100 weitere verletzt wurden. Dieses tragische Ereignis hat den Wintersportort nachhaltig geprägt.
Die Überreste der Bar zeugen nur noch wenig von ihrer einstigen Silvesternacht: Die Fenster sind mit Sperrholz verschlossen. Patrick Saegesser, Besitzer eines Uhrengeschäfts direkt gegenüber, erlebt die Abbruchstelle jeden Tag. Er beschreibt die Zeit nach dem Brand als emotional und wirtschaftlich schwierig.
«Bis zum Jahresende lief meine Saison gut. Aber ab Januar herrschte Stillstand», berichtet er. Gäste schauen nicht mehr in seine Schaufenster, alle Blicke sind auf die andere Seite gerichtet. Saegesser äußert offen seinen Vertrauensverlust in die Gemeindebehörden und wirft dem Gemeinderat Vetternwirtschaft vor. Ein Bericht über die Geschäftsführung der Gemeinde aus 2023 bestätigt, dass gravierende Mängel im Brandschutz bekannt waren. Die Abteilung für Brandschutzinspektionen sei unterbesetzt gewesen. Dies überrascht, da Crans-Montana als wohlhabende Gemeinde mehr Personal hätte leisten können. Der Bericht kritisiert auch die Rolle persönlicher Kontakte bei Einstellungen. Auf eine Stellungnahme der Gemeinde reagierte man nicht.
Im Luxushotel Six Senses wirkt die Außenwelt weit entfernt. Jean-Yves Blatt, Hotelmanager, beschreibt den Spagat zwischen Anteilnahme und dem Versuch, Gästen Urlaubsstimmung zu bieten. «Wir haben versucht, die bedrückte Stimmung im Dorf etwas zu kaschieren», sagt er. Zwar gab es einige Stornierungen wegen der Brandkatastrophe, doch aktuell ist das Hotel mehr durch den Iran-Krieg wirtschaftlich beeinträchtigt.
Milan Kalajdzic, Betreiber von vier Restaurants in Crans-Montana, berichtet über einen Umsatzrückgang von zehn Prozent. Die Brandkatastrophe habe jedoch auch Angst geschürt: «Wir sind etwas paranoid geworden», erklärt er. Brandschutzmaßnahmen wurden verstärkt und Mitarbeiter neu ausgebildet.
Tourismusdirektor Bruno Huggler gibt einen Überblick über die Auswirkungen der Katastrophe: Besonders betroffen seien die Hotels, mit Rückgängen von 12 bis 13 Prozent im Januar und Februar. Dieser Rückgang sei für viele Betriebe verkraftbar, während sich bei manchen eine Hoffnungslosigkeit eingestellt habe.
Besondere Sorgen bereitet die Frage, ob Veranstalter künftig Crans-Montana meiden könnten. Daher war es wichtig, dass die Ski-Weltcup-Rennen wie geplant durchgeführt werden konnten. Wie sehr das touristische Image des Ortes langfristig beschädigt wird, bleibt abzuwarten und hängt auch von den Ergebnissen der laufenden Ermittlungen ab.