Max Verstappen, viermaliger Weltmeister der Formel 1, steht vor einer Identitätskrise. Er zeigt sich unzufrieden mit den aktuellen Regeln und hat sogar schon eine Alternative aufgebaut.
Ein Blick auf die Front seines Red-Bull-Rennwagens verrät viel: Dort prangt nur noch eine Drei statt der ihm zustehenden Eins, was beim Champion sicherlich als Majestätsbeleidigung empfunden wird. Nach vier Jahren, in denen er mit dem Stolz eines Chefs die Tabellenspitze dominierte, rangiert Verstappen nach drei Rennen dieser Saison nur auf Platz neun. Sein britischer Rivale George Russell kommentierte: «Als Max selbst ganz vorn gefahren ist, hatte er an den Regeln nichts auszusetzen.»
Der 28-jährige Niederländer scheint in einer Sinnkrise zu stecken, obwohl sein Vertrag mit Red Bull bis 2028 läuft. Er hat eine Machtprobe gegen die Regelhüter begonnen, insbesondere wegen der Hybridmotoren und ihrer umfangreichen Softwarekomponenten, unterstützt von latenten Rücktrittsdrohungen aus seinem Lager.
Verstappen ist sich bewusst, dass ein Fahrer seines Kalibers schwer zu ersetzen sein wird. Viermal in Folge wurde er zum stärksten Fahrer der Königsklasse gewählt. Auf die Frage eines chinesischen Reporters, warum das so sei, antwortete er: «Wen hätten sie denn sonst nehmen sollen?» Trotz allem scheint sein grundsätzliches Selbstbewusstsein intakt.
In Krisenzeiten offenbart sich der wahre Charakter. Verstappen hat an Souveränität verloren und geht nicht nur mit Funktionären, sondern auch mit missliebigen Journalisten hart ins Gericht, was zu Hausverboten führt.
Von einem Pistenrowdy entwickelte er sich zum talentierten Rivalen von Rekordchampion Lewis Hamilton. Sein erstes Meisterschaftsgewinn blieb umstritten – passend zu seiner bewegten Karriere. Nach dem Druck, seinem Team die Krone zu bringen, fuhr er mit Leichtigkeit und großer Erfolg.
Sein ehemaliger Überehrgeiz hat sich etwas abgeschwächt, doch auf der Strecke bleibt er verbissen. Mit unterlegenem Material verpasste er im Vorjahr knapp den fünften Titel in Serie.
Manche erwarten nun, dass er sich wie Michael Schumacher verhalten wird: weniger Murren, mehr Selbstkritik. Seine Anpassungsfähigkeit auf der Strecke ist unbestritten. Doch aus dem einstigen Mad Max ist eine Art Mies Max geworden.
Als Leitwolf seiner Generation hat er Kollegen wie Weltmeister Lando Norris und Charles Leclerc um sich geschart. Verstappens Meinung als Galionsfigur des Sports ist bedeutend, obwohl einige inoffiziell einen Abschied von ihm begrüßen würden.
Sollte sein Unmut lediglich auf das Red-Bull-Team abzielen, bleibt er eine Top-Wahl für Teams wie Mercedes oder McLaren. Eine Parallele besteht zu Ayrton Senna, der Anfang der 90er Jahre mit einem Wechsel zu Indycars flirtete, aber letztendlich im Grand-Prix-Sport blieb.
Verstappen kokettiert weiterhin mit Rücktritt oder Sabbatical: «In der Pause hatte ich keine Zeit darüber nachzudenken. Aber es braucht Zeit, und die nehme ich mir.» Er ist erfreut über seine Beteiligung an den Anpassungen der neuen Regeln.
Bereits 2021 zweifelte er an seiner Zukunft in der Formel 1, da sein Kindheitstraum verwirklicht war. Mit einem eigenen Sim-Racing-Team und einem Sportwagenrennstall hat er sich Fluchtwege geschaffen. Für ihn ist das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring nun der Höhepunkt.
In Monte Carlo fährt Tochter Lily mit einem rosa Rennwagen, auf dessen Tretauto die Nummer eins prangt – ein Symbol für Verstappens unstillbare Sehnsucht.