Obwohl viele glauben, dass in der Steinzeit Frauen die Herrschaft hatten, fehlen dafür Beweise. Selbst DNA-Analysen konnten dies nicht bestätigen. Die Idee des Matriarchats entstand jedoch durch Wissenschaftler, angeführt von dem Schweizer Rechtshistoriker Bachofen, einem bekannten Antifeministen. Das Konzept des Matriarchats als eine idealisierte Vergangenheit, in der Frauen unbehelligt lebten und Natur sowie Nachhaltigkeit im Vordergrund standen, wird oft in feministischen Werken beschrieben. Forscher wie Katharina Rebay-Salisbury von der Universität Wien betonen jedoch die Vielfalt menschlicher Entwicklung und warnen davor, sich auf unbewiesene Geschichtsbilder zu stützen. Bachofens 1861 veröffentlichte Studie „Das Mutterrecht“ ist Grundlage dieser Theorie. Trotz seines konservativen Standpunktes und der Ablehnung von Frauen in der Politik, hob er die Rolle der Frau hervor und beeinflusste spätere Denker wie Friedrich Engels. Der Begriff „Matriarchat“ tauchte erstmalig 1884 auf. Bachofen entwickelte ein evolutionäres Modell menschlicher Gesellschaftsentwicklung, das drei Phasen umfasst: weibliche Dominanz im frühen Kultischen, Frauenherrschaft in der Antike und schließlich die männliche Herrschaft in römischer Zeit. Trotz kritischer Würdigung seiner Werke durch Autoren wie Rainer Maria Rilke oder Sigmund Freud, bleibt das Konzept des Matriarchats umstritten. Neuere anthropologische Studien und archäologische Funde werden von einigen Forschern genutzt, um die These zu stützen, während andere sie als Spekulation abtun. In den 1970er Jahren erlebte das Konzept des Matriarchats eine Renaissance durch die Frauenbewegung. Heute wird es weiterhin in wissenschaftlichen und populären Kontexten diskutiert, oft mit Bezug auf Bachofen, obwohl seine Ansichten selbst ambivalent waren.