Normen vereinfachen das Leben erheblich. Die Standardisierung, die Walter Franke, ein Metallbauer aus Aarburg, für Küche und Gastronomie vorantrieb, hat weitreichende Auswirkungen gehabt.
Oft sind es die einfachsten Dinge, die den größten Effekt haben. Normen mit Kürzeln wie DIN, EN oder ISO sorgen dafür, dass Produkte in verschiedenen Anwendungen kompatibel sind. Dies steigert Effizienz und Nutzen – ein Paradebeispiel ist die Container-Revolution der 1960er Jahre.
Normen entstehen nicht spontan; sie müssen entwickelt und etabliert werden. Im Bereich Küche und Gastronomie war Walter Franke (1918–1991) ein Pionier, dessen Innovationen weitreichende Konsequenzen hatten: von der Schweizer Küchen-Norm bis hin zu normierten Bierfässern und Systemküchen.
Technisches Verständnis gepaart mit Tüftlertalent trieb Walter Franke an. Nach dem Tod seines Vaters, des Erfinders der nahtlosen Spülbecken aus Chromnickelstahl, musste er die Produktion erhöhen und entwickelte verschiedene Modelle von Spülen mit einheitlichen Maßen.
Er fasste Spülen in einen größeren Kontext: Statt isolierter Einzelobjekte schuf Franke die erste Küchenkombination auf der Mustermesse Basel 1942. Trotz Herausforderungen bei Herdherstellern bewährte sich seine Idee, und 1950 präsentierte er eine durchgehende Edelstahlabdeckung als Einbauküche.
In den fünfziger Jahren entstand die Notwendigkeit einheitlicher Elemente für die Massenproduktion. Franke arbeitete mit der Therma AG zusammen, wo er auf Hans Hilfiker traf und das Konzept 55-60-90 entwickelte: Maße basierend auf Körpermassen.
Dieser Standard wurde zur Norm, weil Planer und Architekten ihn annahmen. Die Schweizerische Industriekommission zeigte die modulare Küche bei der Landesausstellung 1964, was zu einer weitreichenden Akzeptanz führte. Während Deutschland erst 1973 eine DIN-Norm einführte, etablierte sich in der Schweiz das Franke-System.
Für Grossküchen arbeitete Franke mit dem Gastronomiepionier Ueli Prager zusammen, um Systemgastronomiekonzepte zu entwickeln. 1948 baute er die erste Mövenpick-Küche und weitere für diverse Schnellrestaurants. Seine Küchendesigns wurden weltweit eingesetzt, insbesondere bei McDonald’s.
Am bekanntesten ist jedoch das Gastro-Norm-System mit stapelbaren Schalen, eingeführt auf einer Fachmesse 1964. Diese Norm wurde zur Grundlage für die Speisenzubereitung in der Gastronomie weltweit.
Eine weitere Standardisierung betraf Getränkebehälter. Franke adaptierte zylinderförmige Container aus den USA und entwickelte daraus ein Bierfass, das sich international verbreitete und zur Euro-Norm avancierte.
Normen wirken oft im Hintergrund, doch ihre Präsenz ist allgegenwärtig – sei es beim Bierzapfen in Aarburg oder beim Essen auf der ganzen Welt. Walter Frankes Erfindungen prägten die Küchennormierung nachhaltig.
Zum Thema erschien ein Buch von Helmut Stalder: Franke. Pioniere des Edelstahls, Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, Bd. 124. Verein für wirtschaftshistorische Studien, Zürich 2025.