Die Islamische Republik Iran befindet sich in einer Krise, während sie ihre Existenz verteidigt. Ihr Ziel ist es, das Land auf die Ankunft des Messias vorzubereiten. Seit 37 Jahren steht Ayatollah Ali Khamenei als oberster Führer Irans an der Spitze und hat zahlreiche Herausforderungen überstanden: Proteste, ein Attentat und eine Krebserkrankung. Gleichzeitig lastet internationaler Druck auf dem Land, während die USA ihre Truppen im Nahen Osten zusammenziehen. Seit Ende des vergangenen Jahres ist Khamenei mit den wohl größten Unruhen in der Geschichte Irans konfrontiert worden. Die Sicherheitskräfte haben die Proteste mit beispielloser Brutalität niedergeschlagen, wobei bei Demonstrationen im Januar in Teheran und anderen Städten tausende Menschen starben – offiziell rund 3.000, aber Beobachter schätzen bis zu 30.000 Todesopfer. Khamenei und seine Anhänger stehen unter Druck, da ein großer Teil der Bevölkerung den Sturz des islamischen Regimes fordert und eine demokratische Führung wünscht. Die Frage steht im Raum: Kann das Erbe der Revolution weitergeführt werden, wenn ihre Führer so geschwächt sind? Ist die Islamische Republik noch zu retten? Die geistlichen Anführer sind sich einig: Sie muss gerettet werden. Denn Iran ist für sie nicht nur ein Staat, sondern eine Theokratie. Nach der Lehre von Ayatollah Khomeini haben die Geistlichen politische und religiöse Verantwortung – sie sorgen für die Kontinuität des islamischen Glaubens. Irans Verfassung basiert auf der Herrschaft schiitischer Rechtsgelehrter, deren Hauptaufgabe es ist, den Weg für das Erscheinen des zwölften Imams, des Mahdi, zu ebnen. Diese Vorstellung geht bis in Mohammeds Zeit zurück. Der Mahdi soll irgendwann die Welt in einen idealen Zustand versetzen und den wahren Islam wiederherstellen. Nach dem Tod von Muhammad entstanden Spaltungen innerhalb der Muslime bezüglich der Führung. Die Schiiten glauben, nur Ali sei der legitime Nachfolger. Die Zwölfer-Schiiten erkennen zwölf Imame an, die alle Nachfahren Alis sind. Der zwölfte Imam jedoch hat eine besondere Bedeutung: Er verschwand im Alter von fünf Jahren und lebt in Verborgenheit. Es gibt Legenden, dass er sich entweder zurückgezogen oder entrückt wurde. Seither haben viele glauben wollen, ihn irgendwo gesehen zu haben – sogar im Bermuda-Dreieck. Trotz seines Verschwindens ist der Mahdi weiterhin politisch präsent: Er gilt als imaginäres Staatsoberhaupt Irans. Die Mullahs sind in einem Dilemma: Das Regime muss erhalten bleiben, aber Reformen könnten das System destabilisieren und den Mahdi abschrecken. Auch in der Protestbewegung ist der Heilsbringer präsent; einige Demonstranten hoffen sogar auf einen US-Angriff als Vorzeichen für die Ankunft des Mahdis. Ayatollah Khazali verkündete im Fernsehen, dass die Rückkehr des Mahdi bevorstehe. Nach seiner Lehre wird er Jerusalem betreten und Jesus Christus empfangen. Khamenei und seine Anhänger kämpfen also nicht nur um ihr politisches Überleben, sondern auch darum, Iran für den Mahdi vorzubereiten – was die Vernichtung Israels implizieren würde.