Mette-Marit, die Kronprinzessin Norwegens, pflegte eine lange Freundschaft mit dem Sexualstraftäter Epstein. Gleichzeitig steht Marius Borg Höiby, ihr Sohn, wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs vor Gericht. Dennoch bleiben die Norweger der Monarchie treu. Der Schock über Mette-Marits Verbindung zu Epstein ist in Norwegen nach wie vor spürbar. Das “Hardanger Folkeblad” verteidigte sie: “[Sie] verdient unsere Liebe und Unterstützung, nicht unsere Verurteilung. Wir glauben an Vergebung und einen neuen Start ins Leben … Gott segne unser Königshaus!”
Schon 22 Jahre zuvor beschrieb der Schriftsteller Edvard Hoem die identitätsstiftende Rolle der Monarchie, als Ingrid Alexandra geboren wurde. Die Staatsform sei irrelevant, “wenn wir einen Dummkopf zum König haben”. Die Geburt von Ingrid Alexandra löste Freude aus: Auch die linke Zeitung “Klassekampen” zeigte den strahlenden Kronprinzen auf der Titelseite und Jan Erik Vold schlug vor, die Monarchie in Frieden zu lassen.
Der norwegische Nationalismus vereint paradoxerweise das egalitäre Selbstverständnis mit dem Konzept des “nationalen Königtums”, das Sigurd Ibsen, Sohn des berühmten Dramatikers Henrik Ibsen, Ende des 19. Jahrhunderts prägte. Von 1814 bis 1905 war Norwegen in einer Union mit Schweden verbunden. Die Unabhängigkeitsbestrebungen hatten einen republikanischen Charakter. Doch Sigurd Ibsen glaubte, dass nur ein norwegischer König Respekt sichern könne.
Im Jahr 1905 wählten die Norweger in einem Referendum mit 80 Prozent Zustimmung für den dänischen Prinzen Haakon VII., der dann König wurde. Er verstand seine Rolle schnell, wie Postkarten von ihm als Skiläufer zeigen. Schon 1906 nahm er an den Wettkämpfen am Holmenkollen teil – eine Tradition, die bis heute andauert. Kronprinz Olav debütierte gar im Skispringen.
Als die Deutschen Norwegen 1940 überfielen und eine Nazi-Regierung unter Quisling forderten, lehnte der König ab und floh nach England, wo er mit einer Exilregierung für die Befreiung Norwegens arbeitete. Seine BBC-Reden stärkten den Widerstandswillen seiner Landsleute. Der König blieb ein Symbol des Widerstands, und sein Monogramm H7 erschien überall.
Harald V., der aktuelle König, plant, alle 356 Kommunen Norwegens zu besuchen, begleitet von der Königin. Die TV-Nachrichten dokumentieren jede Visite. Obwohl er bereits 89 Jahre alt ist und sich nur noch mit Krücken fortbewegen kann, sind zwei weitere Besuche für Mai geplant.
König Harald V. genießt weiterhin Beliebtheit, obwohl sein Haus durch die Skandale der königlichen Familie in den Schlagzeilen steht. Die Monarchie bleibt jedoch fest verankert: Das Parlament stimmt regelmäßig über ihre Abschaffung ab; zuletzt stimmten nur 28 von 169 Abgeordneten für einen Wechsel.
Die Zeiten ändern sich, und so auch die Majestäten. Der Holmenkollen ist nicht mehr das Symbol des “jungen, genügsamen Norwegen”, wie einst beschrieben. Die Schanze wurde durch eine neue ersetzt – für “Aftenposten” nun ein “Monument grenzenloser Verschwendung”.