Nach dem schlimmsten Terroranschlag in Australiens Geschichte setzt eine Kommission ihre Arbeit fort, um den Behördenversagen aufzudecken. Im Mittelpunkt steht die beunruhigende Zunahme des Antisemitismus, welche das Selbstverständnis der Nation herausfordert.
Ein 13-jähriges Mädchen leidet unter Angst und schläft aus Sorge im Bett ihrer Eltern. Die Ereignisse vom 14. Dezember 2025, als zwei Attentäter während eines jüdischen Hanukka-Festes am Bondi Beach auf die Menge schossen und 15 Menschen töteten, lassen sie nicht los. In einer Aufnahme für eine Königliche Kommission sagte sie: «Es macht mir Angst, ein jüdisches Kind in Australien zu sein.»
In Sydney finden derzeit öffentliche Anhörungen statt, bei denen sich die Kommission den Opfern und dem gesellschaftlichen Umfeld widmet. Die Königliche Kommission gilt als höchste Form eines Untersuchungsgremiums in Australien und wird nur für nationale Krisen eingesetzt. Sie ist nicht strafrechtlich tätig, kann aber Zeugen unter Eid vernehmen. Virginia Bell leitet die Kommission; sie war früher Richterin am High Court von Australien. Ihre Aufgabe: bis Dezember 2026 zu klären, wie sich Australien zum Schauplatz eines solchen Anschlags entwickeln konnte.
Der Zwischenbericht der Woche zuvor zeigt eine ernüchternde Diagnose: Australien sei gefährlich selbstgefällig geworden. Obwohl in juristischer Diktion verfasst, kritisiert er die systematische Schwächung der Terrorabwehr seit 2019, nach dem Niedergang des Islamischen Staates. Obwohl das Budget der Geheimdienste um fast ein Drittel anstieg, konzentrierten sich die Mittel auf Spionage und ausländische Einflussnahme; Kapazitäten gegen inländischen Terrorismus wurden reduziert.
Besonders problematisch ist die Vorgeschichte des Anschlags: Eine Woche vor der Tat warnte die Jewish Community Security Group vor einer «ernsten Bedrohungslage» im Bundesstaat New South Wales. Die Reaktion war jedoch von Naivität geprägt, und stattdessen entsandte man nur fünf Beamte zur Beobachtung bei einem großen Event.
Die Kommission dokumentiert auch einen alarmierenden gesellschaftlichen Trend: Nach Angaben des Executive Council of Australian Jewry (ECAJ) stieg die Zahl antisemitischer Vorfälle von durchschnittlich 342 pro Jahr im vorherigen Jahrzehnt auf etwa 1858 jährlich nach dem Hamas-Anschlag.
Die Anhörungen veranschaulichen diese Statistiken. Michael Gawenda, ein bekannter Autor, berichtete über abgesagte Buchveranstaltungen aus Sicherheitsgründen und die Reduktion seiner Person auf einen «zionistischen Unterstützer eines genozidalen Israel». Schulen berichten von Hakenkreuz-Schmierereien und digitalen Hassgruppen.
Premierminister Anthony Albanese hat alle 14 Empfehlungen der Kommission akzeptiert, darunter die Wiedereinführung eines Vollzeitkoordinators für Terrorismusbekämpfung, einheitliche Waffengesetze und ein neues Rückkaufprogramm.
Die Herausforderung bleibt jedoch bestehen: Der soziale Frieden muss wiederhergestellt werden. Die Kommission macht die Verletzungen der jüdischen Gemeinschaft sichtbar, doch politische Maßnahmen müssen folgen.