Gewalt gegen Frauen steht aktuell stark im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Nachdem der Bundesrat eine Roadmap zur Verbesserung des Schutzes vor häuslicher Gewalt verabschiedete, offenbarte die kürzlich veröffentlichte Kriminalstatistik einen Anstieg von Femiziden und Vergewaltigungen im Vorjahr.
In dieser Situation richtet sich GLP-Nationalrat Patrick Hässig mit einem Postulat an den Bundesrat. Er fordert, dass die Landesregierung untersucht, wie effektive Maßnahmen gegen die zunehmenden männlichkeitsideologischen Gewalt- und Radikalisierungstendenzen bei jungen Männern ergriffen werden können.
Hässig verwies auf Studien, die zeigen, dass Jugendliche in den sozialen Medien leicht toxische Online-Milieus betreten, in denen Frauenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung und extremistische Inhalte verbreitet werden. Seine rhetorische Frage im Rat lautete: «Wollen wir weiter zuschauen oder handeln?»
Unterstützt wurde das Postulat von Parlamentariern aus allen Fraktionen: Mike Egger (SVP/SG), Andrey Gerhard (Grüne/FR), Simon Stadler (Mitte/UR), Heinz Theiler (FDP/SZ) und Cédric Wermuth (SP/AG). Das Postulat fordert neben Antworten auf «männlichkeitsideologische Online-Radikalisierung» auch Informationen zu den sozioökonomischen und kulturellen Hintergründen der Täter.
SVP-Nationalrätin Monika Rüegger äußerte sich gegen das Postulat. Sie stimmt zwar dem Gewaltproblem nicht ab, sieht jedoch die Ursache hauptsächlich in der Zuwanderung. Laut ihrer Aussage sind ausländische Tätergruppen bei häuslicher Gewalt und anderen schweren Delikten überrepräsentiert. Rüegger erklärte im Rat, dass 72 Prozent der Gefängnisinsassen Ausländer seien und sprach von schlecht integrierten Männern aus Ländern mit geringeren Frauenrechten.
Die Debatte in politischen Kreisen über Zuwanderung und Gewalt gegen Frauen bleibt emotional. Katharina Prelicz-Huber (Grüne/ZH) widersprach Rüeggers Standpunkt, indem sie darauf hinwies, dass Studien zunehmend zeigen, dass sich immer mehr junge Männer der lokalen Kultur zu radikaler Gewalt bekennen.
Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider zeigte sich «erstaunt» über den Ton der Debatte und betonte, dass das Postulat eine wichtige Frage aufgreift. Sie unterstrich, dass es nicht darum gehe, junge Männer zu stigmatisieren, sondern das Phänomen zu verstehen.
Sie schloss mit dem Hinweis, dass dies keine politische Links-Rechts-Frage sei, sondern vielmehr die Sicherheit der Mädchen und Frauen im Land verbessert werden müsse. Der Bundesrat unterstützt deshalb das Postulat und ist bereit, den geforderten Bericht in Auftrag zu geben. Das Postulat wurde vom Nationalrat mit 135 zu 57 Stimmen angenommen.
Hilfe für gewaltbetroffene Personen:
Hilfe für gewaltausübende Personen:
SRF 4 News, 27.4.2026, 13:30 Uhr