Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm plädiert für eine marktwirtschaftliche Anpassung in der Energiepolitik und kritisiert den Mangel an klaren ordnungspolitischen Leitlinien im Sachverständigenrat für Wirtschaft. Angesichts des durch den Iran-Krieg verursachten Engpasses und Preisanstiegs bei fossilen Energieträgern fragt sie nach der Notwendigkeit einer beschleunigten Förderung erneuerbarer Energiequellen zur Reduzierung der Abhängigkeit von Öl und Gas.
Grimm argumentiert, dass eine schnelle Umstellung auf Erneuerbare allein nicht ausreicht, um die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern in den nächsten zehn Jahren wesentlich zu verringern. Zwar könnte der Einsatz klimafreundlicher Gase wie Biogas und grüner Wasserstoff helfen, doch erfordert dieser Übergang beträchtliche Investitionen, die durch gestiegene Kosten und Zinsen noch teurer werden. Der Erdgasverbrauch wird daher voraussichtlich auf dem aktuellen Niveau verharren.
Um resilienter gegenüber Krieg und Krisen zu werden, betont Grimm die Notwendigkeit einer besseren Absicherung der Versorgung mit fossilen Energieträgern. Eine Option ist die Nutzung heimischer Gasvorräte, was nicht nur umsetzbar, sondern auch emissionsmindernd sei, da Importe von LNG aufgrund von Transportleckagen höhere Emissionen verursachen.
Die Bundesregierung steht dem Fracking bisher wegen Umweltrisiken skeptisch gegenüber. Grimm hält es für sinnvoll, die Risiken zu bewerten und gegebenenfalls umweltfreundlichere Fördermethoden als aktuelle Lieferanten in Betracht zu ziehen. Die Politik müsse manchmal unpopuläre Entscheidungen treffen, um wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten.
Veronika Grimm verteidigt die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, die Subventionen für erneuerbare Energien zurückzufahren und Ökostromproduzenten an den Kosten des Netzausbaus zu beteiligen. Dies sei notwendig, um Anreize für eine effizientere Entwicklung der Erzeugungs- und Nachfragestrukturen zu setzen.
Grimm weist die Kritik zurück, dass Reiche die Energiewende bremsen wolle. Stattdessen seien diese Maßnahmen darauf ausgerichtet, die Renditen von Ökostromproduzenten in Einklang mit den tatsächlichen Netzkosten zu bringen und so die Gesamtsystemeffizienz zu steigern.
Der Erwerb von Emissionszertifikaten stellt für die Industrie einen bedeutenden Kostenfaktor dar. Grimm spricht sich gegen eine Abschaffung des EU-Emissionshandels aus, da dies die Klimaneutralitätsziele erschweren und verteuern würde. Sie schlägt vor, bestimmte internationale Klimaschutzprojekte in das EU-Ziel einzubeziehen, um den Kostendruck zu mindern.
Trotz der mangelnden Kooperation einiger großer Emittenten wie China und USA betont Grimm, dass diese Länder eigene Interessen am Klimaschutz verfolgen. Europa sollte die internationale Zusammenarbeit intensivieren und mit Technologien zur Emissionsreduktion arbeiten.
In der deutschen Energiepolitik sieht Grimm die Notwendigkeit, pragmatische Lösungen zu finden und die internationale Kooperation zu stärken. Sie betont die Rolle von technologieoffenen Ansätzen für den Erfolg einer nachhaltigen Transformation.
Schließlich reflektiert Grimm über das politische Umsetzungspotenzial ihrer Ratschläge. Trotz der Herausforderungen in der Regierungsbildung und Debatten im Sachverständigenrat, betont sie die Wichtigkeit unabhängiger Beratung für notwendige Reformen.