Nach Berichten über sexuelle Übergriffe in mehreren Pariser Vorschulen wurden 78 Betreuer suspendiert. Eltern werfen der Stadt Paris vor, lange Zeit auf Hinweise zu Missbrauchsfällen nicht reagiert zu haben. Im Dezember 2024 begann Judith (Name geändert) sich Sorgen um ihre vierjährige Tochter zu machen, die neu in die Vorschule Saint-Dominique im wohlhabenden 7. Arrondissement von Paris kam. Das Mädchen litt unter Schlafstörungen, Schmerzen im Intimbereich und Angst vor der Dunkelheit. Zudem wiederholte es den Satz: «Der Wolf ist im Schlafsaal», was die Mutter nicht erklären konnte. Nach monatelangen Gesprächen mit Ärzten und Vorschulemitarbeitern fand Judith plausible Erklärungen für die Symptome ihres Kindes, darunter Verstopfungen und altersbedingte Ängste. Die Rede vom «Wolf» wurde als Fantasie abgetan. Erst im Januar 2026 änderte sich das Bild durch eine Sendung von «Cash Investigation», in der Missbrauchsvorwürfe an Pariser Bildungseinrichtungen thematisiert wurden. Ein Elternteil in einer Whatsapp-Gruppe machte Judith darauf aufmerksam, dass die im Bericht gezeigten Räume ihrer Vorschule ähnelten. Verdeckte Aufnahmen zeigten demütigende und missbräuchliche Behandlungen von Kindern durch Betreuer, darunter ein Junge, der unangemessen geküsst wurde. Nach der Ausstrahlung erstattete Judith Anzeige gegen mehrere Betreuer, wie das Nachrichtenportal «Mediapart» berichtet. Andere Eltern aus zwei weiteren Pariser Vorschulen meldeten ähnliche Fälle bei der Polizei an und beschrieben Demütigungen, Gewalt und sexuelle Übergriffe. Warnsignale über Missbrauch im Périscolaire-System waren zuvor bekannt; jedoch wurde das Ausmaß des Skandals erst durch die Fernsehsendung deutlich. Kurz nach seinem Wahlsieg kündigte der neue Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire an, dass seit Jahresbeginn 78 Betreuer suspendiert wurden, darunter 31 wegen Verdachts auf sexuelle Gewalt gegen Kinder. Der Périscolaire-Skandal spielte eine zentrale Rolle bei den Kommunalwahlen. Rachida Dati von der konservativen Partei warf der sozialistischen Stadtverwaltung um Anne Hidalgo und Grégoire vor, Warnsignale ignoriert zu haben. Grégoire hatte während des Wahlkampfs öffentlich gemacht, selbst als Kind sexuelle Gewalt erlitten zu haben. Der neue Bürgermeister kündigte eine 20 Millionen Euro teure Maßnahme an, um die Kontrollen bei der Einstellung von Betreuern zu verschärfen und Meldeverfahren zu verbessern. Eine unabhängige Kommission soll sich zudem mit den Missbrauchsvorwürfen befassen. Ob diese Maßnahmen ausreichen, ist fraglich; Eltern werfen der Stadt eine «Omertà» in der Verwaltung vor. Französische Medien berichteten, dass bereits im Mai 2025 ein Mitarbeiter von Saint-Dominique wegen Verdachts auf sexuelle Gewalt angezeigt worden sei, ohne dass alle Eltern informiert wurden. Ein weiterer Betreuer, der aus dem Team genommen wurde, soll an einer anderen Einrichtung erneut Übergriffe begangen haben. Psychologen erklären, dass Kinder häufig Metaphern verwenden, um Täter zu beschreiben, weil ihnen die Worte fehlen, um ihre Erfahrungen direkt zu benennen. Judiths Tochter verwendete solche Bilder und nannte konkrete Orte in der Schule, an denen Übergriffe stattgefunden haben sollen. Die Einordnung dieser Aussagen ist kompliziert; einige Eltern werden beschuldigt, ihre Kinder durch Fragen beeinflusst zu haben. Sie weisen dies jedoch zurück und betonen die Authentizität von körperlichen Beschwerden und Ängsten der Kinder. Der Fall reiht sich in eine Serie von Missbrauchsskandalen in Frankreich ein, darunter Vorwürfe gegen das Eliteinternat Bétharram sowie der Fall des Chirurgen Joël Le Scouarnec.