Die ehemalige Heimat des österreichischen Filmstars O.W. Fischer in Vernate im Tessin wurde nach langen Jahren der Vernachlässigung aufgrund von Erbstreitigkeiten saniert und soll nun als Kulturzentrum dienen. Der Schauspieler, geboren am 1. April 1915 in Klosterneuburg bei Wien, war ein Star des Nachkriegskinos mit Filmen wie «Peter Voss, der Millionendieb» und «Es muss nicht immer Kaviar sein». Zusammen mit Maria Schell bildete er ein berühmtes Leinwandpaar. Obwohl Fischer in jungen Jahren auch antisemitische Rollen spielte, zog er sich 1960 mit seiner Frau Anna “Nanni” Usell zurück und fand Ruhe am Luganersee.
Nach Fischers Tod im Jahr 2004 ohne Nachkommen hinterließ er das Anwesen dem lokalen Tierschutzverein sowie der theologischen Fakultät von Lugano. Erbstreitigkeiten führten jedoch zu jahrelangen Verzögerungen bei der Veräußerung, was die Pflege des Anwesens vernachlässigen ließ. Im März 2022 öffnete es endlich seine Türen für die Öffentlichkeit. Die Villa, ehemals überwuchert von Vegetation und mit einem unter Wasser stehenden Keller, wurde vom Tessiner Dirigenten Diego Fasolis und seiner Ehefrau Lucia Cirillo erworben und in mühevoller Arbeit restauriert.
Die ursprüngliche Einrichtung ist weitgehend verschwunden, doch geben verbliebene Details Einblick in das Leben von O.W. Fischer. Der Schweizer Architekt Heinrich Graf entwarf die Villa im Jahr 1959 mit innovativen Elementen wie einer frei stehenden Wendeltreppe und einem Cheminée-Sofa. Die Badezimmer zeugen mit ihren goldenen Armaturen und schwarzen Wannen von Fischers Exzentrik.
Im Keller befindet sich das private Kino, welches Fischer für Vorführungen nutzte, sowie ein Telefonbrett mit zahlreichen Verbindungen, dessen Zweck unbekannt bleibt. Laut einem Nachruf von “Der Spiegel” hatte Fischer in seinen letzten Lebensjahren ausgefallene Hobbys und Interessen, wie die Beisetzung seiner Frau neben ihm im Bett oder Theorien der Allhypnose.
Die neuen Besitzer planen, das Anwesen als Kulturzentrum zu nutzen. Die Villa beherbergt nun das Dirigenten-gegründete Barockorchester “I Barocchisti” und die “Stiftung Adriana Fasolis-Brambilla für Musik und Natur”, benannt nach Fasilis’ erster Ehefrau. Bei der Eröffnung fand ein kleines Konzert statt, das zukünftig wiederholt werden soll.